Gerechtigkeit für Freddie Gray

Alev Bahadir
„Gerechtigkeit für Freddie Gray“, so hallt es momentan durch die gesamten USA. Freddie Gray, ein junger Afro-Amerikaner aus Baltimore, Maryland, war bei einer Festnahme am 12. April, am Rückenmark verletzt worden. Die Polizei hatte ihm vorgeworfen, ein Springmesser dabei zu haben, wie man mittlerweile jedoch weiß, war es ein- legales- Taschenmesser gewesen. Während der Festnahme, so berichtet Zeugen, habe sich einer der sechs beteiligten Polizisten mit seinem Knie auf Grays Nacken geworfen. Freddie Gray wurde sofort Bewegungsunfähig, bat jedoch noch einige Male um ärztliche Hilfe, was ihm von der Polizei verweigert wurde. Daraufhin fiel er ins Koma und starb eine Woche später, am 19. April, an den Folgen eines Genickbruches. Sein Tod löste Demonstrationen im ganzen Land, gegen die andauernden Schikanen der Polizei, denen vor allem schwarze und hispanische Bürger ausgesetzt sind, aus. Es scheint, als würden sich die Ereignisse vom letzten Jahr wiederholen. Im August 2014 wurde der Afro-Amerikaner, Michael Brown in Ferguson, Missouri, von einem Polizisten erschossen. Dieser eine von vielen Akten der Polizeibrutalität in Amerika, löste eine Welle des Zorns aus, die sich in gewaltsamen Protesten entlud. In Ferguson herrschte der Ausnahmezustand, der Gouverneur des Staates Missouri schaltete die Nationalgarde ein. Der schuldige Polizist wurde nie angeklagt. Anders sieht es in Baltimore aus. Nachdem es auch dort zu Unruhen gekommen war, die Nationalgarde eintraf und eine Ausgangssperre für die Nacht verhängt wurde, kam am 1. Mai die Bekanntgabe der Staatsanwaltschaft, dass man die sechs Polizisten u.a. wegen Mordes mit bedingtem Vorsatz, anklagen werde. Nach all den Protesten sorgte diese Nachricht zunächst für Freude und Erleichterung bei den Demonstranten. Die Frage ist jedoch, wie lange diese Freude anhalten wird. Denn Polizeirepressionen sind, genauso wie der Rassismus, stark verankert in den USA. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass nun seit 2009 ein schwarzer Präsident im Weißen Haus sitzt. Denn genauso wie diese Polizisten ein Teil des Staatsapparates sind, ist Obama, mehr ein Vertreter seiner Klasse, als der einer Minderheit. Denn diejenigen, die von der Gewalt betroffen sind, wie Freddie Gray oder Michael Brown, sind die Ärmsten dieser Gesellschaft. Die von klein auf benachteiligt sind, die einen schlechten oder gar keinen Schulabschluss haben, die es sich nicht leisten können, studieren zu gehen, die keinen Arbeitsplatz finden. Das sind vor allem schwarze oder hispanische Jugendliche, denen jegliche Perspektive genommen wird und es sind jene, die später die US-Gefängnisse füllen. So sind 60 % der Gefängnisinsassen Afro-Amerikaner, was wenig mit ihrer Hautfarbe, sondern mehr mit ihrer sozialen Herkunft zusammenhängt.
Ob die Täter von Baltimore tatsächlich verurteilt werden, bleibt abzuwarten. Falls das passiert, wäre es sicherlich, besonders für Grays Familie, ein Trost. Doch dass sich damit an den rassistischen Praktiken in den USA etwas ändern wird, ist unwahrscheinlich. So lange die Ursachen des Problems nicht bekämpft werden, wird es leider sicher noch viele Freddie Grays oder Michael Browns geben.

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