Lehrkräftemangel bereits jetzt enorm hoch 

Lehrkräftemangel bereits jetzt enorm hoch 

Kaja Kossmann

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) hat eine aktuelle Studie herausgebracht, in der der Bedarf an Lehrkräften und das tatsächliche Angebot abgeglichen werden und eine Prognose bis 2030 aufgestellt wird, wie sich dieses Verhältnis voraussichtlich entwickeln wird. Die Ergebnisse sind mehr als besorgniserregend.

Belastungszeit Pandemie

Besonders seit Beginn der Pandemie konnte beobachtet werden, wie Kinder und Jugendliche vernachlässigt werden. Trotz mehrfachen voraussehbaren Schulschließungen wurden in den meisten Schulen weder Lehrkräfte noch Schüler darauf vorbereitet. So lag es in der Hand der Familien, ihren Kindern elterliche Betreuung, einen Arbeitsplatz und einen Computer für den Fernunterricht etc. bereitzustellen. Für lohnabhängige Familien war das oft eine enorme Herausforderung und viele konnten trotz aller Mühen ihren Kindern nicht alle Möglichkeiten bieten. Für die psychische Belastung, die das bei den Schülern ausgelöst hat, gab es keinerlei Unterstützung oder Auffangen von behördlicher oder schulischer Seite. Auch für Lehrkräfte waren die vergangenen zwei Jahre voller Hürden und Herausforderungen. Bereits vor der Pandemie ein stressiger Job, haben die Lockdowns, die komplette Umstellung und die Vermischung von Privat- und Berufsleben die Lehrerschaft an und über ihre Belastungsgrenzen gebracht. Auch ist der Beruf gehaltlich nicht mehr so sicher, wie er mal war. Während es vor 10 Jahren noch selbstverständlich war, als Lehrer nach einigen Jahren im Beruf verbeamtet zu werden und damit einen sicheren Arbeitsplatz mit gutem Gehalt und gesonderten Kündigungsschutz zu haben, wird heutzutage in einigen Bundesländern gar nicht mehr verbeamtet.  Was aus diesen Arbeitsbedingungen natürlich hervorgeht und die ganze Problematik kontinuierlich verschlimmert, ist der rasant ansteigende Lehrkräftemangel.

Bis zu 150.000 Lehrkräfte fehlen bundesweit
Die Berechnungen des VBE haben eine Prognose für die voraussichtliche Anzahl der Lehrkräfte errechnet, der die Zahl der Schulabgänger mit allgemeiner Hochschulreife und den Anteil davon, der ein Lehramtsstudium aufnimmt und abschließt, zu Grunde gelegt wurde (286.000). Diese wurde dann mit dem voraussichtlichen Anstieg der Schülerzahl (+9,2%) verglichen und ein Bedarf errechnet. Laut diesen Berechnungen werden  im Jahr 2025  deutschlandweit ein Lehrkräftemangel von 45.000 herrschen, im Jahr 2030 wird er dann schon bei 81.000 liegen. Besonders in naturwissenschaftlichen Fächern spitzt sich die Lage immer weiter zu. Nur für etwa ein Drittel der bis 2030 zu besetzenden Stellen werden neu ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer zur Verfügung stehen. Und diese Zahlen werden sich voraussichtlich noch deutlich verschlimmern, sie berücksichtigen nämlich noch nicht den durch die drei schulpolitischen Maßnahmen Ganztagsausbau, Inklusion und die Unterstützung von Kindern in herausfordernden sozialen Lagen zusätzlich entstehende Lehrkräftebedarf. Laut VBE würde deshalb ein weiterer Bedarf von etwa 74.000 Lehrkräften benötigt. Letztendlich würde der Bedarf an Lehrkräften also eher bei 150.000 liegen.

KMK redet das Problem schön

Die Politik kennt das Problem, tut aber nichts dagegen – im Gegenteil, sie verschleiert und beschönigt es in den veröffentlichten Ergebnissen der Kultusministerkonferenz (KMK). Nach den Angaben der KMK würde der Lehrkräftemangel im Jahr 2030 bei lediglich 14.000 liegen. Das sind 225% weniger als die Berechnungen des VBE zeigen. Die Ergebnisse der KMK wurden vom Bildungsforscher Klaus Klemm als „abenteuerlich“ bezeichnet. Das Lehrkräfteangebot werde enorm überschätzt.

Wieder mal machen sich die Folgen eines kaputtgesparten Bildungssystems schmerzhaft bemerkbar. Dass das Lehrkräfteangebot kontinuierlich sinkt, ist seit langer Zeit bekannt und immer wieder macht die Politik große öffentlich wirksame Ankündigungen für Maßnahmen und Investitionen in die Behebung des Problems. Eine erforderliche Umsetzung dieser Ankündigungen fand aber bisher noch nie statt. Der Bundeshaushalt hatte im Jahr 2021 20,8 Milliarden Euro für Bildung und Forschung vorgesehen. Der Verteidigungsetat im Jahr 2021 lag wiederum bei 46,9 Milliarden Euro. Die Prioritäten der Politik sind hier klar erkennbar.

Der Lehrkräftemangel ist eine ernstzunehmende Bedrohung und muss von der Politik als eine solche behandelt werden. Der Beruf Lehrkraft muss leichter erreichbar gemacht werden und angemessen bezahlt werden. Das ist nur erreichbar durch ein ausfinanziertes Bildungssystem, in dem das Wohl der Schüler und der Angestellten oberste Priorität hat. 

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