Glücksgefühle in Hülle und Fülle / Von Bastian Sick

Gülühwein, Gümüse, Gürüstbau – beginnt das Türkische allmählich aufs Deutsche abzufärben? Oder ist das Deutsche nicht sowieso schon eine ü-beraus ü-freudige Sprache? Spüren wir den Ümlauten nach, und machen wir ein kleines Gewünnspül!

In der Adventszeit bekommt der Mensch Stiefel voller Lebkuchen und Schokolade, er bekommt kalte Füße und rote Nasen, Kaufanfälle, Beklemmung im Gedränge, Lust auf Gesänge, Hass auf Wham! und Katerstimmung nach zu viel Punsch. Ich bekomme in der Adventszeit regelmäßig Leserzuschriften mit Fotos von Weihnachtsmarktständen, auf denen “Advent’s-Kerzen”, “Adventzkaländer” oder “Atwentskarten” feilgeboten werden.

Einmal schickte mir jemand ein Bild von einer Angebotstafel, auf der das Wort “Gülühwein” stand. “Jetzt haben auch die Türken die Freuden der Vorweihnachtszeit entdeckt”, schrieb er dazu. Dem “Gülühwein”-Fundstück folgten weitere mit türkischem Anstrich: ein “Fürühstückssalon” in Österreich, ein Hinweisschild auf frisches “Gümüse”, ein Lkw mit der Aufschrift “Gürüstbau”. Das könne kein Zufall sein, meinte mein Freund Henry und raunte: “Das sind Ündizien dafür, dass das Türkische aufs Deutsche abzufärben begünnt!” Dazu fielen mir die Schülerwitze ein, die den Klang des Türkischen aufs Korn nehmen: “Wie nennt man auf Türkisch einen winselnden Hund? Antwort: Nöletöle” – “Wie sagt man auf Türkisch zu Pampers? Antwort: Güllehülle!” Es mag ja stimmen, dass das Türkische eine Sprache mit vielen Ös und noch mehr Üs ist. Aber das Deutsche steht dem in nichts nach. Diese beiden Witze sind der Beweis. Sie machen sich nämlich nur scheinbar über das Türkische lustig. In Wahrheit belegen sie, dass es im Deutschen vor Ös und Üs genauso wimmelt. “Güllehülle” und “Nöletöle” sind schließlich keine türkischen, sondern deutsche Wortschöpfungen – auch wenn sie nicht im Duden stehen.

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