Ein Film erinnert an Hatun Sürücü

Sieben Jahre nach dem Mord an Hatun Sürücü wurde mit einem Film an die junge Frau erinnert, in dem Familienmitglieder umstrittene Aussagen machen.

Hatun Sürücü war nur 23-Jahre alt, als sie ihr Bruder Ayhan Sürücü auf offener Strasse in Berlin mit drei Schüssen ermordete. Mit dieser Tat wurde in Deutschland eine heiße Debatte über Zwangsehen und Ehrenmorde ausgelöst, die bis heute anhält.

Die beiden deutschen Journalisten und Filmemacher Matthias Deiss und Jo Goll haben drei Jahre mit dem Täter Ayhan Sürücü, den beiden anderen Brüdern in Istanbul, mit Verwandten in Ostanatolien, mit Familienmitgliedern, Freunden und Arbeitskollegen gesprochen und die beeindruckende Dokumentation “Die verlorene Ehre – die Irrwege der Familie Sürücü” gedreht, die sie am Todestag von Hatun Sürücü bei der Frauenschutzorganisation Terre des Femmes zeigten.

Vor der Vorführung des Filmes sagte Matthias Deiss: “Wir haben mit dem jüngeren Bruder von Hatun Sürücü, Ayhan Sürücü, gesprochen, der sie erschossen hat. Wir haben mit dem Bruder Mutlu Sürücü gesprochen, von dem behauptet wird, dass er die Tatwaffe besorgt hat und wir haben mit guten Freunden von Hatun Sürücü Reportagen gemacht. Mutlu Sürücü, der in Istanbul lebt, sagte, dass er nicht seine Schwester umbringen liess und erklärte, dass in einem islamischen Staat Hatun Sürücü für ihre Taten erhängt worden wäre”.

Matthias Deiss erzählte auch von seinen Begegnungen mit Ayhan Sürücü, der immer noch seine Strafe absitzt: “Ayhan behauptet immer noch, dass er Hatun Sürücü alleine umgebracht hat. Während er zugibt, dass es Falsch war seine Schwester umzubringen, lehnt er ihren Lebensstil weiterhin ab!”

Goll beschreibt seine Beobachtungen folgendermaßen: “In Ostanatolien waren wir in der Geburtsstätte der Familie Sürücü und haben dort mit den Menschen gesprochen. Wir haben gesehen, dass die Menschen dort gegen Ehrenmorde sind. Die türkischen Vereinigungen haben keine negativen Reaktionen auf den Film gezeigt, sie sind ihm eher wohlwollend begegnet.”

Hatuns letzter Wunsch

Die Regisseure sagten, dass der Sohn von Hatun Sürücü, der sehr früh zum Waisen wurde, bei einer Pflegefamilie ist und niemand seinen Aufenthaltsort kennt: “Wegen der Drohungen war Hatun Sürücü drei Mal bei der Polizei, bekam aber keinen Schutz. Sie hatte eine Erklärung abgegeben und darum gebeten, dass ihr Sohn nicht zu ihrer Familie kommt, falls ihr etwas passiert.”

Neue Identität

In der Dokumentation ist Melek A., die Kronzeugin im Falle Hatun Sürücü, mit veränderter Stimme zu hören. Melek A. war die Freundin des Täters Ayhan Sürücü und beschuldigte im Prozess die beiden Brüder Mutlu und Alparslan Sürücü. Die junge Frau sagt in dem Film, dass sie sehr überrascht war, dass die beiden Sürücü Brüder ungestraft davon kamen. Melek A. musste im Rahmen eines Zeugenschutzprogrammes ihre Identität ändern und an einem unbekannten Ort ein neues Leben anfangen. Ihre Mutter liess ihre beiden Brüder bei dem Vater, gab ihre Wäscherei auf und tauchte mit ihrer Tochter unter.

Detaillierte Post auf SABAH AVRUPA – Die Türkische Tageszeitung.

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