Der Trend geht zur Zweitfrau / VON JÜRGEN GOTTSCHLICH

Etwa 200.000 Türken ist eine Ehefrau zu wenig. Dabei ist die Vielehe verboten und die zweite Frau damit rechtlos. Doch die regierende AKP unterstüzt den Trend.

ISTANBUL taz | Halit Öncel ist ein zufriedener Mann. Stolz posiert er auf dem Basar der Kleinstadt Gökce im Südosten der Türkei zusammen mit seiner Frau Monja vor Fotografen. Monja brachte es zu einiger Berühmtheit, weil sie in Gökce die erste marokkanische Frau war, die den weiten Weg aus Nordafrika gemacht hatte, um die Zweitfrau eines türkischen Mannes zu werden. Der 36 jähre Halit Öncel ist längst verheiratet und hat bereits 11 Kinder. Auf seine Zweitfrau aus Marokko ist er stolz, weil sie in Marokko eine religiöse Hochschule absolviert hat und außer Arabisch auch Französisch spricht.

Mittlerweile haben sich in Gökce andere Männer ein Beispiel an Halit Öncel genommen. Etwa 40 Marokkanerinnen, berichten türkische Medien, leben nun als Zweitfrauen in Gökce und den umliegenden Dörfern. Sie sind in aller Regel nicht rechtmäßig verheiratet, sondern leben in einer vom Imam legalisierten Beziehung als Zweitfrau in der Familie. Die rechtmäßigen Ehefrauen sind darüber wenig begeistert, aber die wenigsten lassen sich wegen der Zweitfrau scheiden. Nach Gökce kamen die Importbräute, als das Internet in den Dörfern der Region Einzug hielt. Viele Bewohner der dortigen Grenzregion zu Syrien haben arabische Wurzeln.

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