Flash…! Flash…! Flash…!

Wahrscheinlich ist es eine Situation, die aus der türkischen Medienkultur entsteht. Wir haben es uns angewöhnt aus allen Themen eine Krise zu machen. Wir haben das Gefühl, dass etwas nicht der Rede wert ist, wenn es uns nicht als Krise präsentiert wird. Je dramatischer, widersprüchlicher und abgehobener, desto interessanter. Beide, Journal „Sex sells“, in den türkischen Medien gilt „Krise sells“. Man kann es mit der Befriedigung der täglichen Spannungserwartungen verteidigen. Doch unser Drama- und Krisenverständnis beeinflusst unseren Lebensstandard negativ. Nein, ich rede nicht von der Tagesordnung in der Türkei. Es geht ausschließlich um Deutschland. Egal um welches Thema es geht, wir können nicht mal unter uns ruhig darüber diskutieren. Wir besitzen eine kranke Diskussionskultur in der wir die Thesen die wir verteidigen mit unserer Existenz gleichsetzen.

Ich verteidige also bin ich.

Dieses zeigt sich  insbesondere bei Debatten in der deutschen Öffentlichkeit in denen es um Türken oder um die Türkei geht. Die Aussage eines deutschen Politikers, Journalisten, Theologen oder Wissenschaftlers bringt uns in die Position uns zu verteidigen als ginge es um Leben und Tod. Obwohl der Stellenwert dieser Aussagen bei den Personen, die sie machen, in den Prioritätenlisten ganz hinten rangieren. Vielleicht stört uns am meisten, dass irgendjemand etwas sagt, dass unseren geistigen Komfort stören könnte. Unabhängig von unseren politischen, ethischen und religiösen Wurzeln hängen wir als Volk sehr an unseren Gedankenschablonen, die wir geistig erstellt haben. Dabei ist es ganz einfach uns von dieser Blockade zu befreien. Wenn wir versuchen, die Toleranz, die wir von anderen erwarten auch selbst zeigen, können wir gesündere und vernünftigere Ergebnisse erreichen.

Mikdat Karaaligolu, SABAH Avrupa

Detaillierte Post auf SABAH AVRUPA – Die Türkische Tageszeitung.

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