Der Jugend eine Perspektive bieten

Der Jugend eine Perspektive bieten

Eine neue Studie, die Anlass zur Sorge gibt, aber auch viele Fragen aufwirft, geistert gerade durch die Medienlandschaft. „Jugend in Deutschland 2024“ der Jugendforscher Simon Schnetzer und Klaus Hurrelmann sowie des Politikwissenschaftlers Kilian Hampel analysieren das Empfinden und die Einstellungen der Jugend. Ihr Fazit: Die Jugend sei „gestresst, pessimistisch – und empfänglich für Rechtspopulismus“. Jugendliche und junge Erwachsene hätten der Studie zufolge viele Sorgen, die sie umtrieben: Inflation, teures Wohnen, Altersarmut, Krieg oder Migration treiben offenbar viele junge Menschen um. Befragte klagen über psychische Belastung und fühlen sich von der Politik übersehen. Das führe dazu, dass sie sich stärker der AfD zuwenden, als in den Jahren zuvor: 22 Prozent der 14- bis 29-Jährigen würden demnach AfD wählen. 2022 hatten sich noch neun Prozent für sie ausgesprochen, im vergangenen Jahr waren es zwölf Prozent. 18 Prozent würden die Grünen wählen, 2022 waren es noch 27 Prozent. Die FDP sackte in der Umfrage ab von 19 auf 8, die SPD verlor von 14 auf 12 Prozent. Die Union verbesserte sich bei jungen Menschen von 16 auf 20 Prozent, das neue Bündnis Sahra Wagenknecht kommt auf 5 Prozent, Die Linke mit 7 Prozent knapp drüber. Die Zahl derjenigen, die auf die Frage, wen sie wählen würden, mit „Ich weiß es nicht“ antworteten, stieg deutlich von 19 Prozent vor zwei Jahren auf heute 25 Prozent. Diese größte Gruppe gibt schon die ersten Anzeichen dafür, dass das Vertrauen in Parteien stärker abgenommen hat, als in Generationen zuvor.

Seit Corona wird die Jugend depressiver

Nach den Auswirkungen der Coronazeit stünden nun wirtschaftliche und politische Sorgen um die Zukunft im Vordergrund, etwa wegen der Inflation, hoher Mieten, der Kriege in der Ukraine und in Nahost oder wegen einer Spaltung der Gesellschaft, schreiben die Autoren. „Es wirkt so, als hätte die Coronapandemie eine Irritation im Vertrauen auf die Zukunftsbewältigung hinterlassen, die sich in einer anhaltend tiefen Verunsicherung niederschlägt.“ Die Zufriedenheit mit der eigenen finanziellen Lage, den beruflichen Chancen, der Gesundheit und der sozialen Anerkennung liegt zwar insgesamt weiterhin leicht im positiven Bereich, aber überall sind Rückgänge zu sehen. Eher unzufrieden mit der wirtschaftlichen Entwicklung, dem gesellschaftlichen Zusammenhalt und den politischen Verhältnissen war die junge Generation auch schon 2022 und 2023.

Besonders die Zufriedenheit mit den politischen Verhältnissen ist dieses Jahr aber noch einmal deutlich gesunken. Die Sorgen mit Blick auf den Klimawandel gehen zurück und wachsen dafür bei Themen wie Inflation, Migration, Wirtschaft oder Altersarmut.

„Heftiger Meinungsumschwung

Auffällig ist, dass trotz gestiegener Zustimmungswerte für die AfD, die meisten jungen Menschen der Aussage „Deutschland wäre ohne die EU besser dran“, lediglich nur mit 13 Prozent zustimmen, 56 Prozent hingegen nicht. Sehr stark gesunken ist den Autoren zufolge aber im Vergleich zur Shell-Jugendstudie von 2019 die Zustimmung zur Aufnahme vieler Flüchtlinge. 57 Prozent waren damals dafür, in der vorliegenden Studie sind es nur noch 26 Prozent. „Hier hat offensichtlich ein heftiger Meinungsumschwung in der jungen Generation stattgefunden“, schreiben die Autoren.

Dass die Zahlen nur die gesamtgesellschaftliche Stimmung wiedergeben, in der Politik, Medien und Wirtschaft sich tagtäglich gegen Migration aussprechen und die „nützlichen Migranten“ aussieben wollen, wird von den Studienautoren übersehen. Die AfD treibt die Ampel und Opposition vor sich und drängt ihre rassistische Plattform der Gesellschaft regelrecht auf. Und da sie es schafft, plumpe  Aussagen in anschaulichen Social-Media-Beiträgen weit zu verbreiten, kann sie die Meinung der Jugend kanalisieren. Die Frage ist nicht, warum die Jugend sich tendenziell zur menschenverachtenden Idee der AfD näher fühlt, sondern, warum sie sich von den anderen Parteien tendenziell weniger vertreten fühlt, die im Endeffekt das gleiche wie die AfD sagen. Eine Generation, die verachtend Generation Z genannt wird, in einer stark digitalisierten Welt aufwächst, aber lediglich analoge Antworten auf ihre spezifischen Bedürfnisse und Interessen bekommt, wird selbstverständlich depressiver und somit bekommen rechte Demagogen leichtes Spiel, die Jugend einzulullen und für ihre Ziele zu gewinnen. Das Kuriose ist dabei, dass die Jugend die „Spaltung der Gesellschaft“ fürchtet, aber ein Teil genau diese Spalter präferiert. Diesen Denkfehler muss man ihr vor Augen führen.

Detaillierte Post auf DEUTSCH – Yeni Hayat / Neues Leben

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