Ya me cansé – Ich bin es Leid

Gamze Ardic

 

Seit Ende September ist in Mexiko eine Wut auf den Straßen in Form von Protesten, Verwüstung und angezündeten Regierungsgebäuden zu beobachten. Es ist die größte Krise seit dem Amtsantritt von Präsident Enrique Peña Nieto vor zwei Jahren.
Am 26. September wurden Lehramtsstudenten nach einer Spendenaktion in Iguala, im Bundesstaat Guerrero, auf dem Weg zu ihrer pädagogischen Fachhochschule Ayotzinapa von der lokalen Polizei attackiert und anschließend festgenommen. Sechs Menschen wurden dabei getötet und 25 verletzt. Seit diesem Vorfall fehlt jegliche Spur der restlichen 43 Studenten: laut Augenzeugen habe die Polizei diese verschleppt und sie der Drogenbande Guerreros Unidos (übersetzt: die Vereinigten Krieger) übergeben.
Auch in dem Fall Igualas zeigt sich durch die jüngste Festnahme des lokalen Bürgermeisters, José Luis Abarca, wie verstrickt Politik, Sicherheitsbehörde und die organisierte Kriminalität in Mexiko miteinander sind. Abarca habe der örtlichen Polizei und Mitgliedern von Guerreo Unidos befohlen, die Studierenden abzufangen, um eine Sabotage der Rede seiner Ehegattin zu verhindern.
Seither protestieren Angehörige, Freunde und die Lehrergewerkschaft CETEG gegen das gemeinsame Verbrechen von Politikern, Polizei und der Drogenmafia und verlangen eine endgültige Aufklärung über das Verschwinden.
Zweifel an Geständnis von Drogenbandenmitgliedern
Drei Mitglieder der Bande Guerros Unidos sollen den Mord an den Studenten gestanden haben, doch kommen bei den Angehörigen Zweifel auf, ob es sich hierbei um die Wahrheit handelt.
Solange es keine endgültigen Beweise über ihren Tod gebe, seien die Studenten noch am Leben, begründen sie.
Man geht davon aus, dass man diesen drei vermeintlichen Tätern, die kaum älter als die Studierenden selbst sind, die Tat unterjubeln möchte, um von der Mittäterschaft der mexikanischen Behörden abzulenken. Daher hebe man die Geständnisse so hervor, um verdeutlichen zu wollen, dass das Problem bei der Mafia liegt und somit die staatlichen Behörden der Verantwortlichkeit nicht bezichtigt werden können.
Ayotzinapa: Ein Dorn für die mexikanische Regierung
Die Studenten der pädagogischen Fachhochschule Ayotzinapa, die für ihren linken Aktivismus bekannt sind, hatten bereits in der Vergangenheit mit polizeilicher und staatlicher Repression zu kämpfen.
Der Regierung ist Ayotzinapa ein Dorn im Auge: Ziel dieser Hochschule ist es, insbesondere Studenten aus den ärmlicheren Gegenden zu Lehrern auszubilden, die anschließend in ihren Dörfern für einen Umschwung auf sozialer Ebene sorgen. Daran hat die Regierung allerdings kein Interesse, da es sich hierbei um linksorientierte junge Menschen handelt, die angesichts ihrer sozialen Proteste als ,,Unruhestifer“ deklariert werden und eine Gefahr für die Fortführung der staatlichen Repression darstellen. Diesem Vorhaben tritt die Regierung mit der Schließung sämtlicher Schulen entgegen, welches auf Widerstand seitens der Studenten stößt, der sich vermehrt breitmacht. Dies nimmt die Polizei als Grund, die Gewalt gegen die dort eingeschriebenen Studenten zu legitimieren.
,,Ya me canse“ ( ,,Ich bin es Leid“ ) ist zum Slogan der Protestbewegung geworden, der auf die Bemerkung des zuständigen Staatsanwalts Jesus Murillo Karam zurückführen ist: er sei es Leid, verkündete er während einer Pressekonferenz, sich weiterhin mit dem Fall der vermissten Studenten auseinandersetzen zu müssen. Diese mit Arroganz behaftete Aussage verdeutlicht das Desinteresse des Staates, den Fall der 43 ,,verschwundenen“ Studenten aufzuklären.
Die Radikalität und Wut der Protestbewegung steigt, je länger die Allianz der Politik mit der Polizei und dem Drogenkartell geleugnet und sich weiterhin nicht um die Aufklärung des Verbleibs der Vermissten bemüht wird.

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