Weder ein Sieg noch eine Niederlage

Die Gründung der neuen Regierung war für die Türken gleichbedeutend mit Frage; ”was wird aus der doppelten Staatsbürgerschaft? Während der schwierigen, monatelangen Koalitionsverhandlungen haben wir unsere Augen nur auf das Thema doppelte Staatsbürgerschaft gerichtet. Wenn wir die juristischen Querelen beiseite lassen, die es mit sich bringen wird, ist das Ergebnis, das dabei herausgekommen ist: Die Abschaffung des Optionsmodells,  aber nicht die Einführung der doppelten Staatsbürgschaft. Zivilvereine und Politiker haben zurecht die Verweigerung des Rechts auf die doppelte Staatsbürgerschaft kritisiert. Eine angemessene Kritik, der ich mich anschliesse. Doch die Abschaffung des Optionsmodells und die doppelte Staatsbürgerschaft für die Kinder ist dennoch ein Gewinn. Dieser Gewinn ist das Ergebnis der Interesse, den die türkische Gesellschaft vor den Wahlen für die Wahlen gezeigt hat. Auch wenn im Vergleich zu den vorherigen Wahlen begrenzt, haben die Aufklärung zum Thema ”Wählen gehen“ ihre ersten Früchte gegeben. Das positive Ergebnis der Teilnahme.

Hat die SPD ihr Versprechen gehalten?

SABAH ist wohl unter den türkischen Medien, die Zeitung, die am kritischsten über die SPD berichtet hat. Der Grund dafür ist ganz einfach. Die SPD zeigt ihre Nähe und Interesse für die türkischen Wähler nicht im Bundestag, wenn es um Gesetze geht, die die Türken betreffen. Um es offen zu sagen, vor den Koalitionsverhandlungen entstand in der türkischen Gesellschaft der Eindruck, wenn es hart auf hart kommt wird die SPD beim Thema doppelte Staatsbürgerschaft einen Rückzieher machen. Das Ergebnis, das nun dabei rausgekommen ist, zeigt, das es nicht so ist. SPD hat ihr Versprechen, das sie den türkischen Wähler gegeben hat, nicht vergessen. Zumindest hat sie gezeigt, dass sie nicht rein formell darüber verhandelt hat. Sigmar Gabriel hat den Sympathiekredit, den ihm die türkische Gesellschaft gegeben hat, nicht wie seine Vorgänger unbedacht aufgebraucht.  Natürlich muss man die Haltung der türkischstämmigen Politiker in der SPD, besonders Aydan Özoğuzs entschlossene und lösungsorientierte Vorgehensweise, als Pluspunkt registrieren. Dann gibt es auch den ideologischen Wechsel, den die CDU/CSU gezeigt hat. Aber das ist Thema eines anderes Kommentars.

Ich warte noch

Um in die deutsche Staatsbürgerschaft zu wechseln, hatte ich mit das Recht auf die doppelte Staatsbürgerschaft als eine psychologische Grenze gesetzt. In diesem Sinne sind meine persönlichen Erwartungen nicht erfüllt worden. Wie es scheint, wird es noch brauchen bis ich die deutsche Staatsbürgerschaft beantrage. Doch als jemand, der die Politik und die türkische Gesellschaft beobachtet, bin ich der Meinung, das wir einen Sieg, wenn auch einen kleinen, errungen haben. Ich möchte es noch einmal wiederholen. Der Grund dafür ist, dass im Vergleich zu früher, mehr Türken bei den Bundestagswahlen zur Urne gegangen sind. Dieses Ergebnis ist ein klares Beweis dafür, dass wir mehr Rechte erreichen, wenn wir unseren Willen an die Urne tragen (in dem wir zuerst unsere Stimmen abgegeben). Der deutsche Öffentlichkeit erwartet von uns nicht nur für Themen, die uns aufgrund unseres Migrationshintergrundes interessieren, unseren Willen, unsere Meinungen, unsere Teilnahme zu zeigen, sondern in allen Bereichen. Wir sollten für die Demokratie jeden Beitrag leisten, der in unserer Macht steht. Der Rest kommt von allein.

Detaillierte Post auf SABAH AVRUPA – Die Türkische Tageszeitung.

Link: http://almanca.hukuki.net/weder-ein-sieg-noch-eine-niederlage.htm
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