Viele wissen gar nicht, welche Talente in ihnen stecken

 

Die DIDF-Jugend bietet auf ihren Camps seit mehreren Jahren eine Arbeitsgruppe an: Die Musik-Produktions-AG. Diese hat immer mehr Interessierte und schafft während des Camp auch anspruchsvolle Werke. Man sitzt zusammen, schreibt gemeinsam Texte, singt, musiziert und nimmt ein Song auf, was am Ende den Campteilnehmern vorgespielt wird. Wir haben den AG-Leiter Gürdal Erdugan interviewt, der uns mehr über die Entstehung des neuen Liedes „No human is illegal“ erzählt.

Bahar Güngör

Das war bereits das vierte Mal, dass diese AG auf einem DIDF-Jugendcamp angeboten wurde. Es kommen jedes Mal viele bewegende Songs dabei heraus. Wie gehst du die ganze Geschichte an?
Im Vorfeld, bevor das Camp beginnt, bereite ich mich auf die Themenschwerpunkte und auf die Massage, die wir rüberbringen wollen, vor. Jedes Jahr hat das DIDF-Jugendcamp ein anderes Motto, dem wollen wir gerecht werden. Es finden sich immer 10-15 Teilnehmer zusammen, die großes Interesse an Musikproduktion haben. Die meisten Teilnehmer haben noch nie professionell Musik aufgenommen. Darum geht es am ersten Tag immer erst um technische Sachen, ums Kennenlernen und um die Möglichkeiten, die wir in der AG haben. Danach thematisieren wir unser gemeinsames Motto, nach einem Brainstorming startet dann das individuelle Texten. Auf jedem Camp war es bisher so, dass wir große Talente gefunden haben. Viele entdecken ihr eigenes Talent in der AG.
Die AG findet zehn Tage lang zweimal am Tag statt. Es nehmen verschiedene Teilnehmer aus unterschiedlichen Orten teil. Wie läuft da die Zusammenarbeit?
Es gibt eine klare Linie. Auf dem Beat werden der Text und die Melodie bestimmt. Es ist jedem frei, wie er arbeiten möchte. Einige gehen in Kleingruppen, um ihre Texte zu schreiben, andere schreiben für sich. Dabei entstehen unterschiedliche Ideen und Stile. Die Gruppe ergänzt sich in ihrer Arbeit. Es ist auch schön zu sehen, dass die Teilnehmer außerhalb der AG Zeit miteinander verbringen. Es entstehen Freundschaften, schließlich schafft man gemeinsam ein Werk, was auch nach dem Camp jahrelang von allen gesungen wird
Welchen Einfluss hat die Tatsache, dass es diesmal ein europaweites Camp der DIDF Jugend war?
Die AG wurde leider nur von Teilnehmern aus Deutschland besucht. Das liegt daran, dass es so eine AG bisher nur auf den DIDF-Jugend Deutschland Camps gab. Viele konnten sich nichts darunter vorstellen. Wir haben aber versucht, die verschiedenen vertretenen Sprachen mit in den Song einzubauen. Wir haben uns als AG mit einigen Teilnehmern der anderen Länder zusammengesetzt und versucht, einzelne Textpassagen in verschiedenen Sprachen zu singen. Im Nachhinein wurde ich auch von einigen angesprochen, dass sie nächstes Jahr gerne bei der AG dabei wären. Nichtsdestotrotz haben wir versucht, die Abschottungspolitik der einzelnen EU- Länder in den Text mit einzubauen und die Fluchtursachen zu benennen.

Wie bist du eigentlich zur Musik gekommen und was ist dein persönliches Highlight bei der AG?
Ich selbst bin mit Musik groß geworden. Die Musik gehört, soweit ich zurück denken kann, zu meinem Leben. Ich hatte aber auch immer schon das Interesse in der Musikproduktion. Mit 19 habe ich dann zum ersten Mal angefangen, alleine zu produzieren. Das ist eine Erfahrung, die ich vielen Menschen ermöglichen möchte, darum habe ich auch mit dieser AG angefangen. Für mich sind die tollen Künstler und Musiker immer wieder ein Highlight. Nicht nur ich bin teilweise verblüfft, sondern die Teilnehmer selbst auch. Viele wissen gar nicht, welche Talente in ihnen stecken. Ich bin aber auch immer wieder erstaunt, wie alles von Null in einer so kurzen Zeit entsteht. Im Campalltag entwickelt sich so ein Song. Ich arbeite auch mit professionellen Musikern zusammen, da dauert das auch mal länger. Vor allem am letzten Abend, wenn alle AGs ihre Ergebnisse präsentieren und beim Campsong bereits alle den Text kennen und mitsingen, macht mir jedes Jahr aufs Neue eine Gänsehaut. Dass wir dabei nicht nur ein AG Song, sondern einen Song für die gesamte DIDF- Jugend produzieren, ist auch eines der tollsten Erlebnisse. Wenn dann nach dem Camp im Internet das Musikvideo erscheint, motiviert mich das erneut.

 

Gizem Gözüacik, 21, ist angehende Studentin an der Popakademie in Mannheim. Sie war eine der Teilnehmerinnen der Musikproduktion. Das sind ihre Eindrücke.
Warum hast du dich für die Musikproduktion entschieden?
Ich habe mich für diese AG entschieden, weil ich mich auch privat sehr viel mit Musik beschäftige und auch selbst Musik mit der Gitarre mache. Außerdem werde ich bald anfangen, den Studiengang Musikbusiness an der Popakademie in Mannheim zu studieren und sehe meine berufliche Zukunft auch in der Musikbranche. Deswegen habe ich großes Interesse daran, erste Einblicke in die Musikproduktion zu gewinnen.

Wie ist die Zusammenarbeit in der AG gewesen?
Die Zusammenarbeit war extrem gut. Während die Teilnehmerzahl in den anderen AGs immer weiter gesunken ist, hatten wir gar keine Lust überhaupt aus der AG rauszugehen. Wir haben uns vor allem dadurch besser kennengelernt und die gemeinsame Arbeit hat uns ziemlich zusammengeschweißt. Wir hatten auch extrem viel Spaß und haben sehr viel herumexperimentiert.
Kannst du uns erzählen, was der Text aussagt und warum ihr ausgerechnet dieses Thema ausgewählt habt?
Der Text ist angelehnt an das Motto des Sommercamps „No human is illegal“ und soll die ganze Flüchtlingsdebatte sowohl aus unserer Sicht (deutsche und englische Strophen), als auch aus der Sicht eines Geflüchteten darlegen (türkische Strophe). Wir haben den Song auch bewusst mehrsprachig gestaltet, damit jeder aus dem Camp was aus dem Text mitnimmt, da wir Jugendliche aus verschiedenen Ländern da hatten.
Der Song ruft dazu auf, sich zu erheben gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit vor allem gegenüber Geflüchteten. Wir kritisieren die menschenunwürdige Politik, die über unseren Köpfen hinweg betrieben wird und rufen dazu auf, die Faust zu erheben und dagegen anzukämpfen für eine bessere Welt ohne Krieg und Leid. Denn wir sind alle Menschen und jeder hat das Recht, ein friedliches Leben ohne Angst führen zu dürfen auch jenseits aller Grenzen.
Was war das wichtigste in der AG für dich?
Das wichtigste war für mich, dass wir Spaß haben und unser Wissen über die Musikproduktion erweitern. Es war außerdem auch wichtig, dass wir uns nicht gegenseitig unter Druck setzen, indem wir nur darauf fixiert sind, einen Campsong zu produzieren. In erster Linie waren der Spaß und das gemeinsame Interesse an der Musik wichtig und auch entscheidend für das Ergebnis, das sich deutlich hören lassen kann.

Detaillierte Post auf Yeni Hayat – Neues Leben » Deutsch

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