Traurig Abschied von Deutschland!

Ömer Günay verlies 1974 zum ersten Mal seine Heimat und kam aus der türkischen Stadt Aydın nach Deutschland, wo er in Bergisch-Gladbach ein neues zuhause fand. Nun muss er zum zweiten Mal seine Heimat verlassen. Gegen seinen Willen.

Der Mann, der seit 38 Jahren hier lebt, ist am 12. November abgeschoben worden. Gemäß den offiziellen Auflagen bestieg er gestern am 12. November unfreiwillig ein Flugzeug in die Türkei. Zum Abschied erklärt der gebrochene Mann: „Wenn es nötig ist, werde ich bis vor den Europäischen Gerichtshof ziehen, um meine Rechte zu bekommen. Ich gehe jetzt, aber ich werde wieder kommen.“ Ömer Günay muss das Land nicht verlassen, weil er ein Verbrechen begangen hat. Der Mann hat in all den Jahren in Deutschland nicht einmal einen Strafzettel bekommen. Er muss gehen, weil er angeblich zu lange weggeblieben ist. Nach dem deutschen Recht verlieren Ausländer, die länger als sechs Monate ohne die schriftliche Genehmigung der Ausländerbehörde in einem anderen  Land leben, ihre Aufenthaltsgenehmigung. Die wollte Günay nicht verlieren. Deshalb meldete er sich bei der Behörde, um sich eine Erlaubnis für einen längeren Türkeiaufenthalt zu besorgen. Dort entzog man ihm seine Aufenthaltsgenehmigung. Der Grund ist, dass er angeblich länger in der Türkei geblieben ist als sechs Monate. Der Mann, der seit 2005 zwischen den beiden Ländern hin und her pendelt, widerspricht dem. Nur einmal hat sich seine Einreise nach Deutschland um zwei Tage verzögert. Der Vulkanausbruch auf Island sorgte dafür, dass sein Flieger nicht starten konnte. Der Vater von zwei Kindern und Großvater von sechs Enkelkindern sagt: „Als ich zu der Ausländerbehörde ging um meinen Pass zu holen, hat sich der Beamte, der mir meine Aufenthaltsgenehmigung entzog, zynisch gelächelt und gesagt, dass ich ab jetzt nur noch mit einem Visum hierher kann. Das hat mich sehr verletzt. Ich habe 38 Jahre hier gelebt. Es war sehr erniedrigend, dass sie mir Fingerabdrücke genommen und Fotos gemacht haben. Ich habe mich wie ein Schuldiger gefühlt.“

Er hat sich nie etwas zu schulden kommen lassen. 27 Jahre hat er gearbeitet und nie irgendwelche Sozialleistungen bezogen. “Ich habe noch 5 Jahre bis zur Rente“ so Günay, der versucht zu erklären, was er nicht verstehen kann. Er wäre zu lange in der Türkei geblieben und befände sich nun unrechtmäßig in Deutschland. “Sie reisen seit 5, 6 Jahren illegal ein und aus“ warf man ihm vor. In Ömer Günays Fall ist Heimat vielleicht doch nicht der Ort, wo man immer wieder hinkommt, sondern wohin man immer wieder zurückgeht.

Detaillierte Post auf SABAH AVRUPA – Die Türkische Tageszeitung.

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