Schlagen – aber mit Würde?!

Alev Bahadir
Wieder einmal hat es der Vatikan in die Schlagzeilen geschafft. Und, wie so oft, nicht im positiven Sinne. Der Grund hierfür sind die, mehr als fragwürdigen, „Erziehungstipps“, die Papst Franziskus bei seiner wöchentlichen Generalaudienz in der Vatikanstadt am 4. Februar gab. Dabei widmete sich der argentinische Papst der Rolle des Vaters in der Kindererziehung. Dass Väter warten und vergeben können müssten. So weit so gut. Dann kam jedoch folgende Passage: „Der Vater, der zurechtweisen kann, ohne zu demütigen, ist der gleiche, der zu schützen weiß, ohne sich zu schonen. Einmal hörte ich in einem Treffen von Eheleuten einen Vater sagen: „Manchmal muss ich die Kinder ein bisschen schlagen – aber nie ins Gesicht, um sie nicht zu demütigen.“ Wie schön: Er hat einen Sinn für Würde. Er muss bestrafen, er macht’s auf rechte Weise, und dann geht es normal weiter“.
Das ist also das Verständnis des „heiligen Vaters“ von der Würde von Kindern. Wie es aussieht, hat der Papst den Unterschied zwischen „einem Kind die Playstation wegnehmen“ oder es „zu schlagen“ nicht ganz verstanden. Nach weiter Empörung in der Öffentlichkeit ging der Vatikan in den Verteidigungsmodus. So erklärte Pfarrer Thomas Rosica, von der Pressestelle des Vatikans, in einer Email, dass der Papst nicht über Gewalt oder Grausamkeit gegenüber gesprochen habe, sondern darüber, jemandem „zu Wachstum und Reife“ zu verhelfen. Im Vatikan herrschen offensichtlich noch sehr mittelalterliche Vorstellungen von „Wachstum und Reife“. Dabei war Franziskus, der mit bürgerlichem Namen Jorge Mario Bergoglio heißt, bei seinem Amtsantritt vor etwa 2 Jahren, sowohl in den eigenen Kreisen, als auch in der internationalen Presse immer wieder als „moderner“ Papst angepriesen worden. Falls Franziskus tatsächlich „modern“ sein sollte, dann nur in dem Wandschrank-engen Spielraum, den die katholische Kirche für Abweichungen von den konservativsten Vorstellungen zur Verfügung stellt. Dabei war jedoch von Vornherein klar, dass sich in vielen Dingen nichts ändern wird. Die homosexuelle Lebenspartnerschaft mit der Ehe gleichzusetzen (das beinhaltet vor allem das Thema Adoption) wird noch immer abgelehnt, Verhütungsmittel sind noch immer verboten und Abtreibung ist nach wie vor eine Sünde. Doch ist die Gewalt an Kindern, die Franziskus, entgegen der Beteuerungen des Vatikans und der katholischen Lobby, ganz klar befürwortet, ein besonders heikles Thema. Erst im Sommer letzten Jahres hatte UNICEF (Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen) eine weltweite Studie herausgebracht, in der berichtet wurde, dass weltweit 6 von 10 Kindern, zwischen 2 und 14 Jahren, regelmäßig körperliche Züchtigung in extremen Formen erleben. Zudem war 2014 das 25. Jubiläum der UN-Kinderrechtskonvention, wo es heißt, dass jedes Kind das „Recht auf eine Privatsphäre und eine gewaltfreie Erziehung im Sinne der Gleichberechtigung und des Friedens“ oder das „Recht auf eine Familie, elterliche Fürsorge und ein sicheres Zuhause“ habe. Übrigens hat auch der „Heilige Stuhl“ (Gesamtinteressenvertretung der katholischen Kirche) die Konvention ratifiziert. Vielleicht wäre es ratsam für den Papst, sich diese einmal durchzulesen. Besonders, da die katholische Kirche in den vergangen Jahren wegen Missbrauchsfällen an Kindern (sowohl sexueller Missbrauch, als auch Gewaltanwendung) immer wieder in den Schlagzeilen war.

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