Rezension „Der Staat gegen Fritz Bauer“

Rezension „Der Staat gegen Fritz Bauer“

Thoya Kruse

Der Film „Der Staat gegen Fritz Bauer“ ist ein auf historischen Tatsachen beruhendes Drama aus dem Jahre 2015 von Lars Kraume und verfolgt Generalstaatsanwalt Fritz Bauer und seine Suche nach Adolf Eichmann in den späten 50er Jahren. Bauer möchte Eichmann in Frankfurt am Main vor ein deutsches Gericht bringen und ihm für seine Verbrechen an der Menschheit den Prozess zu  machen. Eichmann war hoher Funktionär im deutschen Hitlerfaschismus und leitete in Berlin das „Eichmannreferat“, eine Zentrale Dienststelle des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA) die die Verfolgung, Vertreibung und Deportation von vor allem jüdischen Menschen leitete, sprich Organisator des Holocausts war und galt damit als Hauptverantwortlicher für die Ermordung von schätzungsweise sechs Millionen Menschen. Bauer vermeidet jedoch mit den Kollegen in den mit Altnazis durchsetzten Behörden zu arbeiten, in Sorge, Eichmann könne dadurch aus dem deutschen Sicherheitsapparat gewarnt werden und der Festnahme entkommen. Der in großen Teilen aus dem Faschismus übernommene Justizapparat, das BKA und der Verfassungsschutz, sind mit Faschisten besetzt. Im Film wird dies durch den BKA-Mann Gebhardt aufgegriffen, welcher in Zusammenarbeit mit dem karrieristischen Oberstaatsanwalt Kreidler versucht, Bauer zu sabotieren, um die eigene Aufdeckung zu verhindern.

Nazis im Staatsapparat und in den Konzernen „Der Staat gegen Fritz Bauer“ beruht weitestgehend auf historischen Fakten und versucht ein Bild der BRD in der Nachkriegszeit zu zeichnen. Der Film zeigt auf, inwiefern die Strukturen und das Personal des deutschen Faschismus weiter in die BRD wirken und sich mühelos in die bürgerliche Demokratie einbetten. Den Altnazis standen Tür und Tor offen im „neuen“ Staatsapparat ihren Platz zu finden. Führungspositionen in BKA, Verfassungsschutz und Bundeswehr, aber auch Sekretärs-, Minister- und Präsidentenstellen wurden von NSDAP-Funktionären besetzt, die weiterhin Einfluss nehmen konnten. Bis heute sehen wir Ungereimtheiten in Bezug auf das Verhältnis staatlicher Institutionen und faschistischen Gruppen, Organisationen und Gewalttaten.

Doch nicht nur staatlich, sondern auch in Großkonzernen lassen sich Überschneidungen erkennen. Ein im Film gezeigtes Beispiel hierfür ist ein Altnazi in der Mercedes-Benz Personalabteilung, der dort ungeschoren Karriere machen kann. Vom Faschismus haben deutsche Konzerne maßgeblich profitiert. Die in Konzentrationslagern verübte Zwangsarbeit und der Krieg haben dem deutschen Kapital enorme Summen eingebracht und die Niederhaltung der aufkommenden Arbeiterbewegung durch die Repression gegen und Verfolgung von Kommunisten sowie die Umformung der Gewerkschaften kamen dem Kapital nur zugute.

Über die Frage der personellen Entnazifizierung hinaus werden die legislativen Folgen des NS-Regimes im §127 des StGB aufgezeigt. Das Drehbuch nimmt sich hierfür auch einige kreative Freiheiten. Ein Beispiel ist die hinzu gedichtete Person Karl Angermann, welcher eine gänzlich fiktive Person ist und im Film Bauer bei seinen Nachforschungen hilft. Angermann ist ein junger, homosexueller Mann. Über seinen Charakter wird die damalig strafbare Ausübung von Homosexualität thematisiert. Durch die daraus entstehende Nebenhandlung wird dargestellt, inwiefern der Hitler Faschismus auf legislativer Ebene ohne viel Mühe in die BRD überging. Der §127, welcher sexuelle Handlungen zwischen zwei männlichen Personen unter Strafe setzte, existierte in Deutschland bereits seit 1872, das Strafmaß wurde im Nationalsozialismus jedoch verschärft. Diese Version des Gesetzes blieb in der BRD für zwei weitere Jahrzehnte bestehen, erst 1994 wurde sie auf Bundesebene gänzlich aufgehoben. In der Geschichte bedeutete es enormes Leid, Stigmatisierung und Verfolgung homosexueller Menschen, und das noch in einer Nation, die sich als Verteidigerin der Menschenrechte darzustellen versucht.

Fritz Bauer wird den Film über als treuer SPDler dargestellt, der mit seiner Partei stets in Opposition zum Faschismus stehe. Tatsache ist jedoch, dass die SPD maßgeblich zur Machtergreifung Hitlers beigetragen hat und seit dem 1. Weltkrieg schon keine Partei des Volkes​, oder der Arbeiter mehr ist. Heutzutage kann sie sich mit einer sozialpartnerschaftlichen Gewerkschaftspolitik, die vor allem der Kapitalseite dient und zahlreichen Korruptionsfällen rühmen.

Mit der Jährung der Befreiung von Auschwitz am 27. Januar bietet sich die Gelegenheit sich mit dem Faschismus, seinen Ursprüngen und seinen Nachwirkungen auseinanderzusetzen. Der deutsche Faschismus diente den Großindustriellen zur verschärften Ausbeutung und Niederhaltung von Unruhen in der Bevölkerung. Er wurde mit der Befreiung durch die Alliierten nicht besiegt und lebt weiter in den Behörden der Bundesrepublik.

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