Pfleger dringend gesucht – Strategie gegen Fachkräftemangel

Bilder von alten Menschen, die verlassen auf Pflegestationen vor sich hindämmern, kennt die Direktorin der Kursana Seniorenresidenz in Hamburg-Niendorf nur aus den Medien; Klagen über fehlendes Fachpersonal von Kollegen aus anderen Einrichtungen. Bärbel Eickhoffs Personaleinsatzpläne sind gut gefüllt, hin und wieder kann sie sogar Mitarbeiter an andere Häuser verleihen. Flexibilität heißt das Schlüsselwort und ist Teil eines Zehnpunkte-Plans, den sich die 117 Häuser der Kursana, des nach eigenen Angaben größten privaten Anbieters von Seniorenpflegeeinrichtungen in Deutschland, verordnet haben. Es ist Nachmittag, die alten Herrschaften sitzen in hellen Räumen bei Kaffee und Kuchen. Von Mangel keine Spur.

Erst kürzlich hatte Eickhoff einige Fachkräfte an Standorte der Gruppe in Bayern und Baden-Württemberg «ausgeliehen». Beim Personalmangel im Pflegebereich gibt es ein deutliches Nord-Süd- Gefälle, sagen Branchenvertreter. Im Süden scheiden Mitarbeiter schneller aus dem Pflegebereich aus, wenn sich andere Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt bieten.

So mag Kursana ein Ausnahmebetrieb sein, was aber nicht darüber hinwegtäuscht, dass vielerorts händeringend qualifiziertes Personal gesucht wird. «Schon jetzt fehlen für die schätzungsweise rund 2,2 Millionen Pflegebedürftigen rund 10 000 Pflegefachkräfte. In den nächsten zehn Jahren werden mehr als 77 000 zusätzliche Fachkräfte benötigt, um dem demografischen Wandel nur halbwegs Rechnung tragen zu können», sagt Thomas Greiner, Vorstandsvorsitzender der Dussmann- Gruppe, zu der auch die Kursana-Pflegeheime gehören.

Teil seines Zehnpunkte-Plans ist daher eine flexible Gestaltung des Personaleinsatzes. So werden Mitarbeiter quasi als «Springer» für kurze Zeit an Schwesterhäuser «ausgeliehen», wenn es dort eng wird. «Inzwischen bauen wir bewusst einen entsprechenden Pool auf und versuchen bereits bei der Einstellung gezielt Leute zu gewinnen, die gern reisen», sagt Greiner.

Von der Idee der Bundeskanzlerin, Harz-IV-Empfänger in Pflegeberufe zu bringen, hält Greiner, der auch Vorsitzender des Arbeitgeberverbands Pflege ist, nicht viel: «Möchten Sie etwa von jemandem gepflegt werden, der zwangsverpflichtet wurde und gar keine Lust dazu hat?» Hilfreich könnten allerdings Umschulungsmaßnahmen und Weiterqualifizierung sein. In der Kursana-Akademie würden Mitarbeiter entsprechend ausgebildet und gefördert. Weiterer Programmpunkt ist der Versuch, die Leute länger im Beruf zu halten. Durchschnittlich arbeite ein Mitarbeiter nicht länger als sieben Jahre in der Pflege.

Mittelfristig will Greiner auch die Zahl der Auszubildenden von jetzt 100 auf 400 erhöhen. Kein leichtes Unterfangen bei dem Image, das die Branche derzeit hat, weiß der Unternehmenslenker. «Daher präsentieren wir uns auf Messen, stellen uns an Fachhochschulen vor und versuchen als Verband zu werben.» Bisher sprechen Anzeigen und Internetauftritte die Schulabgänger zu wenig an. «Da müssen wir ran», sagt auch Steffen Ritter vom Arbeitgeberverband Pflege, dem die größten Anbieter privater Pflegeeinrichtungen mit rund 200 000 Mitarbeitern angehören.

Allein mit deutschem Personal sei das Problem ohnehin nicht zu lösen, heißt es in der Branche. Kernmaßnahme sei die Anwerbung von Mitarbeitern aus dem Ausland. Wobei Europa jetzt schon relativ leergefegt sei. «Wir brauchen auch Leute aus anderen Ländern, Erleichterungen bei der Anerkennung der im Heimatland erworbenen Qualifikation und weniger bürokratische Auflagen», sagt Greiner.

So fordern die Arbeitgeber die Greencard, wünschen sich einen «Pflege-Gipfel» mit Angela Merkel und träumen von Postboten, die ihnen stapelweise frische Bewerbungsmappen ins Haus bringen. Denn dass die Zeiten, in denen sich Schulabgänger von sich aus bei ihr beworben haben, vorbei sind, spürt auch Direktorin Bärbel Eickhoff.

Detaillierte Post auf SABAH AVRUPA – Die Türkische Tageszeitung.

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