NSU-Prozess: Zschäpes Lieblingszeuge

Am 53. Verhandlungstag im NSU-Prozess ging es um die Frage, wo die Tatwaffe herkommt. Um diese Frage annähernd zu erleuchten, wurde unter anderem der Zeuge Frank L. verhört. Er betrieb in den Neunzigern in Jena den Klamottenladen ”Mackey“. Verkaufte Klamotten, wie Neonazis sie gerne tragen. Auch verbotene Rechtsrock CDs und vermutlich verbotene gibt es in dem Geschäft, allerdings unter dem Tresen. Frank L. soll von der Ceska 83 gewusst haben, die Tatwaffe mit Schalldämpfer, mit der NSU-Terroristen neun Menschen ermordeten.

Frank L. hat aber Probleme sich zu erinnern, obwohl er erst 40 Jahre alt ist. Er weiß nicht mehr, er erinnert sich nicht mehr, er kann es nicht mehr genau sagen. Richter Götzl bleibt geduldig, hartnäckig und konsequent.

Richter Götzl: Kannten Sie Herrn Böhnhardt?

Zeuge: Ja, vom Sehen her.

Götzl: Bei welcher Gelegenheit?

Zeuge : Früh in der Jugend mal beim Mopedfahren. Vom Laden her. Jena ist halt nicht sehr groß.

Götzl: Wie gut kannten Sie ihn?

Zeuge: Nur vom Sehen her.

Götzl: Wie häufig hatten Sie Kontakt zu ihm?

Zeuge: Nur wenn man sich mal zufällig getroffen hat.

Götzl: War er Kunde bei Ihnen?

Zeuge: Ja, der war ein paar Mal da.

Götzl: Was hat er gekauft?

Zeuge: Klamotten oder Schuhe. Vielleicht auch mal ‘ne CD. Ich weiß es nicht.

Götzl: Kannten Sie Herrn Mundlos?

Zeuge: Im gleichen Verhältnis.

Götzl: Seit wann kannten Sie ihn?

Zeuge: Das weiß ich nicht.

Götzl: In etwa?

Zeuge: Irgendwann in den 90er Jahren.

Götzl: Bei welchen Gelegenheiten?

Zeuge: Bestimmt, wenn er mal im Laden war.

Götz: Wissen Sie da was?

Zeuge: Kann ich mich nicht erinnern.

Götzl: Kannten Sie Frau Zschäpe?

Zeuge: Ja.

Götzl: Von welcher Gelegenheit?

Zeuge: Ja, och über den Laden.

Götzl: War Sie Kundin?

Zeuge: Das ist alles ganz schön lange her. Ich weiß nicht, ob sie was gekauft hat. Für Frauen gab es damals nicht so viel bei uns.

Dann schaut er rüber zu Beate Zschäpe, lächelt sie vertraut an und sie lächelt herzlich zurück. Freut sich ihn zu sehen. Obwohl der Zeuge kaum zusammenhängende Sätze spricht, vollständig auf die Fragen antwortet und sich in Widersprüche verwickelt, schafft es Richter Götzl ihn dazu zubringen über den Waffenkauf auszusagen. Demnach kannte er Ralf Wohlleben, der ihn auf eine Waffe ansprach. Frank L. verwies ihn an seinen Mitarbeiter Andreas S., der schließlich die Ceska 83 für die Terroristen besorgte.

Detaillierte Post auf SABAH AVRUPA – Die Türkische Tageszeitung.

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