Ja, die Meisterjahre

Der Deutschlandbesuch des Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdoğan ist erneut damit zu Ende gegangen, dass er Spuren hinterlassen hat. Dieser Besuch ist wie erwartet die Schlagzeile in den deutschen Medien geworden. Die allgemeine Tendenz in den deutschen Medien geht in die Richtung, dass Merkel der Türkei nicht die Unterstützung gegeben hat, die Erdoğan sich wünscht. Eine andere Interpretation ist, dass Erdoğan in Deutschland Wahlwerbung gemacht hat. Beide Behauptungen haben einen Wahrheitsanteil. Allerdings waren diese beiden Themen nicht der wichtigste Punkt beim Besuch von Ministerpräsident Erdoğan. Ich möchte den Blick auf die Sichtweise der Türkei auf Deutschland, auf das Paradigmenwechsel, das sich besonders in den Reden von Erdoğan zeigte, lenken. Erdoğans Aussage über Integration, die bisher in der deutschen Öffentlichkeit falsch verstanden wurde, war diesmal so offensichtlich und klar, dass sie kein Missverständnis zulies.

Paradigmenwechsel

Der Freundschaftsdiskurs von Ministerpräsident Erdoğan sowohl bei der Pressekonferenz mit Merkel als auch bei seiner Rede vor den Türken im Tempodrom war nicht übersehbar. Es scheint so, als hätte die deutsche Seite diesen Wechsel auch bemerkt, denn Merkel und ihr Vize Gabriel baten Erdoğan der Masse, die sich im Tempodrom versammelte, ihre Grüße zu überbringen. Dies zeigt, dass diese Beziehungen, die während der AKP-Regierungszeit oft überschattet waren, nun in die ”Meisterjahre“ gekommen sind. Beide Seiten vermeiden es die Türken in Europa in Zweierbeziehungen zur Polemik zu machen. Dies ist einer der wichtigsten Beiträge, die man zur Integration leisten kann. Es wird offensichtlich, dass beide Seiten sich im Hinblick auf die Türken in Deutschland besser verstehen.

”Seid stolz auf Deutschland“

Dieser Wortlaut, von dem wir hoffen, dass er sich bei den politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern widerspiegelt, ist ein Zeichen dafür, dass die Beziehungen nun auf einer noch realistischeren Basis verlaufen werden. Der Ministerpräsident sagt in seiner Rede zu den Bürgern, dass sie stolz darauf sein sollten in Deutschland zu leben. Dass die Kanzlerin zufrieden über diese Aussage ist, wäre vermutlich keine Prophezeiung. Vielleicht haben die deutschen Medien diese positiven Botschaften nicht gesehen; aber diese Rede wird der Bewusstseinsveränderung zwischen den Türken in Deutschland und den Deutschen einen großen Beitrag leisten. Auch wenn es vielleicht eine Klischeevermutung wird, die letzte Reise des Ministerpräsidenten Erdoğan wird im Hinblick auf Qualität und Quantität der Anfang einer neuen Ära sein.

Mikdat Karaalioğlu

Chefredakteur Sabah Avrupa

Detaillierte Post auf SABAH AVRUPA – Die Türkische Tageszeitung.

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