Eine Frau ist nicht genug

Die Vielehe ist in der Türkei auf dem Vormarsch, die konservative Regierung duldet den Trend – dabei ist sie gesetzlich seit 1923 verboten. Vor Zivilgerichten sind Zweit- und Drittfrauen praktisch rechtlos.

Immer mehr türkischen Männern reicht eine Ehefrau nicht aus – sie nehmen sich eine zweite oder gar ein dritte und vierte. Die Vielehe ist zwar in der Türkei seit 1923 gesetzlich verboten, aber trotzdem weit verbreitet, wie eine jetzt veröffentlichte Studie zweier Wissenschaftler der angesehenen Hacettepe-Universität in Ankara zeigt. Die Untersuchung wurde von der Gleichstellungskommission des türkischen Parlaments in Auftrag gegeben.

Ilknur Yüksel Kaptanoglu und Banu Ergöcmen vom Institut für Bevölkerungsstudien stellen in ihrer Studie einen zunehmenden Trend zur Polygamie fest. Etwa 186.000 türkische Frauen müssen danach ihren Mann mit einer oder mehreren anderen Frauen teilen. Vor allem in den Ost- und Südostprovinzen des Landes ist die Polygamie verbreitet. Häufig suchen sich türkische Männer eine Zweitfrau, wenn die gesetzlich angetraute Gattin nicht den erwünschten Stammhalter zur Welt bringen kann. 29 Prozent der Türken glauben der Studie zufolge, dass ein Sohn die Macht eines Mannes stärke. In der Nordosttürkei vertreten sogar 56 Prozent diese Ansicht. Der Islam erlaubt einem Mann bis zu vier Ehefrauen, und die Imame in den ländlichen Gebieten segnen Vielehen meist widerspruchslos ab.

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