Eine erfolgreiche Konferenz wird unsere Arbeit stärken

Vom 24. bis 26. Februar findet in Köln die Bundeskonferenz der DIDF-Jugend statt. Wir sprachen mit Cigdem Ronaesin und Bahar Güngör, Mitglieder des geschäftsführenden Bundesvorstands, über die Vorbereitungen der Konferenz und die Ziele der DIDF-Jugend.

 

 

Neues Leben (NL): Wie sehen die Vorbereitungen für eure Bundeskonferenz aus?

Cigdem Ronaesin (CR): Erst einmal wurde mit unseren Ortsgruppen Rücksprache gehalten und diese sind derzeit in der Phase der programmatischen und inhaltlichen Diskussion. In mehreren Städten wurden bereits Ortskonferenzen oder Jahreshauptversammlungen durchgeführt und lokale Vorstände und Delegierte gewählt, die die Diskussionen vor Ort auf die Bundesebene tragen sollen. Die restlichen Ortsgruppen werden bis Mitte Februar auch so weit sein. Die Termine und Tagesordnungen stehen bei allen schon fest und wir freuen uns auf die Ergebnisse der Diskussionen.

 

Bahar Güngör (BG): Wir als die zentrale Leitung haben aber auch noch Einiges zu tun. Der Rechenschaftsbericht, die Zusammenfassung unserer Aktivitäten der vergangenen Zeit und unsere Bewertung der Situation der Jugend in Deutschland sind schon geschrieben und wurden bereits an die Orte geschickt. Mitglieder des geschäftsführenden Vorstandes reisen jedes Wochenende in eine andere Stadt und nehmen an den Ortskonferenzen teil, um auch über die Inhalte der Bundeskonferenz zu informieren und die Diskussionen zu bündeln.

 

 

NL: Wie soll die Konferenz ablaufen?

BG: Die Hauptthemen der Bundeskonferenz sind Rassismus- Nationalismus und ungesicherte Arbeits-und Ausbildungsbedingungen der Jugendlichen. Diese Punkte prägen unsere Arbeit und die aktuellen Ereignisse sowohl in der Türkei als auch in Deutschland gingen an den türkeistämmigen Jugendlichen nicht vorbei. Genau deshalb ist es wichtig, dass die Orte vorbereitet hinkommen, damit die Konferenz zielorientiert arbeiten und die anstehenden Aufgaben gut bewältigen kann. Für uns gilt: Wir müssen unsere vergangene Arbeit kritisch betrachten. Konnten wir Jugendlichen in unseren Reihen, aber vor allem auch außerhalb der DIDF-Jugend eine antirassistische und antinationalistische Perspektive bieten? Wo waren unsere Schwächen? Welche Stärken müssen wir weiter ausbauen? Denn ein großes Problem, mit dem wir kämpfen ist der starke nationalistische Einfluss, dem türkeistämmige Jugendliche ausgesetzt sind. Wenn wir die Gründe und die Ursachen dafür nicht kennen, können wir auch keine Antwort auf das Problem haben. Besonders im letzten Jahr hat man wieder stark gespürt, dass weltweit besonders die Jugend unter der Krise leidet, Kriege im Namen der Demokratie geführt werden oder unsere Umwelt wegen der Profitgier der Konzerne verschmutzt und zerstört wird. Genau in dieser Zeit war die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen, Gewerkschaften und Initiativen sehr wichtig. Deshalb werden wir auch viele Gäste haben, die ein Grußwort überbringen wollen.

 

CR: Ein weiterer wichtiger Punkt der Konferenz wird unsere Öffentlichkeitsarbeit sein.

Es passieren täglich so viele Dinge, da blicken Jugendliche gar nicht mehr durch. Die wahren Hintergründe werden meistens verheimlicht. Insofern ist die Frage nach der Nutzung unserer Medien und Möglichkeiten sehr wichtig. Uns stehen als Organisation viele Publikationen in türkischer und deutscher Sprache zur Verfügung. Als Organisation müssen wir ein Gesamtbild darüber haben, wie die Publikationen in den einzelnen Städten ankommen. Wir müssen es hinbekommen, diese Publikationen als Teil unserer täglichen Arbeit zu sehen und zu nutzen. Da wir unsere Arbeit gezielt in Basisgruppen organisieren, werden wir auch auf der Konferenz Workshops dazu durchführen. Die Basisgruppen Schüler, Studierende und Arbeiter/Azubis/Arbeitslose werden in ihren Gruppen zusammenkommen und die Gelegenheit haben, konkret über ihre Arbeit in der Schule, an der Uni und im Betrieb zu reden. Wir möchten auf der Konferenz eine Kampagne beschließen und starten. Wie die Kampagne verlaufen soll, sollen die Basisgruppen die konkrete Umsetzung in ihren Lebensbereichen diskutieren und planen. Die Ergebnisse wollen anschließend im Plenum vorgestellt werden.

 

 

NL: Worum geht es bei der geplanten Kampagne?

CR: Wir wollen eine Kampagne unter dem Motto „So wollen wir leben“ starten. Eigentlich hatten wir unser letztes Jugendcamp im Sommer unter dem Motto schon organisiert. Das Camp sollte eine Antwort auf die Kampagne „Wie willst du leben?“ der Gewerkschaftsjugend sein. Auf dem Camp haben wir festgestellt, wie viel wir schaffen können, wenn uns die Möglichkeit gegeben wird. Deshalb möchten wir unseren Ortsgruppen wieder die Gelegenheit geben, in ihrer alltäglichen Arbeit produktiv zielorientiert zu arbeiten. Wir denken, dass die Bundeskonferenz eine gute Plattform für die Vorbereitungen sein wird. Bei der Kampagne wollen wir verschiedene Bereiche des Lebens ansprechen. Deshalb soll das Verbot der Leiharbeit, Verbot der NPD und anderen rechten Gedankenguts, gleiche Bildungschancen für alle und andere Themen aufgegriffen werden. Unsere Orte können sich selber aussuchen, welche Themen und wie sie diese behandeln wollen. Durch Unterschriftenaktionen, durch Festivals, Flyer verteilen vor ihren Schulen und Betrieben usw… Auch dabei ist es uns wichtig, bei verschiedenen Themen mit vielen Organisationen und Gewerkschaften zusammenzuarbeiten. Es bietet sich z.B. an, die Leiharbeit zusammen mit Gewerkschaften zu thematisieren. Das Konzept der Kampagne wird dann mit allen Eckpunkten auf unserer Konferenz vorgestellt.

 

NL: Was sind geplante Schritte für die Zukunft?

BG: Es ist für die kommende Zeit sehr wichtig, unser Profil zu schärfen. Wir können uns, mit dem wo wir sind nicht zufrieden geben. Die herrschende Politik und das bestehende System bieten der Jugend keine Perspektiven. Millionen sind sich was ihre Zukunft angeht unsicher. Wir haben eben schon erwähnt, dass die Basisgruppen ein wichtiger Teil unserer Arbeit sind. Deshalb müssen wir diese stärken. Wir wollen im Süden und in NRW landesweite Studierendentreffen organisieren. Das gleiche gilt natürlich auch für die Schüler und Arbeiter. Auch in Bezug auf unsere Jugendzeitschrift Junge Stimme haben wir konkrete Pläne für die Zukunft. Wir wollen die Auflage erhöhen. Unsere Zeitschrift kommt bei allen Jugendlichen, die sie lesen, sehr gut an. Da ist es echt schade, dass wir nicht eine noch größere Masse ansprechen können. Wir wollen sicherstellen, dass sie ab den Sommerferien monatlich erscheint. Dafür trifft die Redaktion auch schon Vorkehrungen.

 

CR: Seit Jahren organisieren wir „Sternencamps“ mit den jüngeren zwischen 10 und 14 Jahren. Bis jetzt haben wir es nicht geschafft, den „Sternen“ weitere Angebote zu bieten. Wie wichtig das aber ist, ist uns allen eigentlich klar. Wir wollen in allen Ortsgruppen Strukturen schaffen, mindestens einmal im Monat Angebote für die „Sterne“ zu organisieren. Den ersten Schritt dafür haben wir in NRW schon gemacht. Da findet eine kleine landesweite „Sternenkonferenz“ in Köln statt und die „Sterne“ sollen ihre eigenen Strukturen schaffen und Pläne für eigene Aktivitäten beschließen.

 

 

NL: … und das Jugendcamp?

CR: Das diesjährige Jugendcamp wird vom 27. Juli bis zum 5. August auf Föhr stattfinden. Föhr ist eine Insel an der Nordsee. Das konkrete Programm steht noch nicht fest, aber wer schon mal auf eines unserer Camps war, der weiß, was für unvergessliche zehn Tage man dort erlebt. Arbeitsgruppen, Seminare, Abendveranstaltungen, Turniere, Workshops usw, für jeden ist was dabei. Man hat einen alternativen Urlaub mit hunderten Jugendlichen aus ganz Deutschland. Und der Ort ist dieses Mal wirklich sehr schön und bietet sehr viele sportliche Möglichkeiten am und im Wasser.

 

BG: Vielleicht sollte man auch kurz erwähnen, dass dieses Jahr das internationale Jugendcamp in der venezuelanischen Hauptstadt Caracas stattfindet. Es werden aus der ganzen Welt hunderte Jugendliche zusammenkommen und man erlebt in einer Woche das, was man wahrscheinlich in einem Jahr nicht erleben würde. Das Camp wird vom 4. August bis zum 11. August veranstaltet. Einige DIDF-Jugend-Vertreter möchten da auch hin fliegen.

 

NL: Danke für das Gespräch.

 

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