Döner Morde – Unwort des Jahres

Jahrelang wurden die Opfer einer rechtsradikalen Mordserie hinter dem Begriff „Döner-Morde“ anonymisiert, diskriminiert und entmenschlicht. Nun wurde dieser Begriff zum Unwort des Jahres 2011 gewählt. In der Begründung der Jury heißt es: „Döner-Morde verharmlose die Mordserie an acht türkischstämmigen und einem griechischen Kleinunternehmer“.

„Döner-Morde“ – dahinter stecken die unglaublichen Taten von einer Gruppe Rassisten, die kaltblütig Menschen, Männer, Väter, Söhne, Ehemänner, Geliebte erschossen haben. Dahinter stecken verzweifelte Familienangehörige, die nicht wussten wer und warum. Dahinter steckt auch das große Versagen der deutschen Ermittlungsbehörden. Die Ignoranz der Gesellschaft gegenüber „ein paar Ausländern“. Dahinter steckt aber auch der Versuch die politische Dimension hinter den Morden zu ignorieren und zu verschleiern.

Die Jury erklärt weiter: „Mit der sachlich unangemessenen, folkloristisch-stereotypen Etikettierung einer rechtsterroristischen Mordserie werden ganze Bevölkerungsgruppen ausgegrenzt und die Opfer selbst in höchstem Maße diskriminiert, indem sie aufgrund ihrer Herkunft auf ein Imbissgericht reduziert wurden“. Dieser Begriff stützte die Vermutung, dass die Mörder im Schutzgeld- oder Drogengeschäft zu suchen waren. Schon beim ersten Mord 2000 wurde von „Döner-Mord“ gesprochen und der Eindruck vermittelt, das Opfer wäre in kriminelle Machenschaften verstrickt. Die Bezeichnung „Döner-Morde“ hat jahrelang die Wahrnehmung vieler Menschen beeinflusst.

Allerdings waren die Menschen in der Lage zu erkennen, dass nicht Döner ermordet wurden sondern Menschen. Menschen, die aufgrund ihrer Herkunft oder Religion nicht in das kranke Bild der Zwickauer Nazigruppe passten. Alle Bürger konnten Vorschläge zum „Unwort des Jahres“ machen. Der Begriff „Döner-Morde“ wurde am häufigsten genannt.

Detaillierte Post auf SABAH AVRUPA – Die Türkische Tageszeitung.

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