Die Türkei veranstaltet ein lehrreiches Experiment / von Gerd Höhler

Zinsen senken und Geldmenge begrenzen: mit dieser Mischung wollen die Türken Inflation und den Zufluss von spekulativem Kapital zugleich bekämpfen. Ob das gelingt, ist auch für andere Länder interessant.

Der türkische Zentralbankchef Durmus Yilmaz probiert so etwas wie die Quadratur des Kreises: Er senkt die Zinsen und versucht, die Geldmenge zu begrenzen – eigentlich ein Widerspruch. Analysten sprechen denn auch von einem „Experiment“. Tevfik Aksoy, Türkei-Chefvolkswirt bei Morgan Stanley, nennt es „kreative Geldpolitik.“

Die Türkei bekämpft so mit einer unorthodoxen, aber durchaus schlüssigen Strategie ein Problem, das sich auch anderen Schwellenländern stellt: Ein Welle von Liquidität – Folge der lockeren Geldpolitik vor allem in den USA – überschwemmt die Welt und bedroht gerade die finanziell stabilen Länder. Yilmaz will Aufwertungsdruck von der türkischen Lira nehmen, um das ausufernde Leistungsbilanzdefizit in den Griff zu bekommen. Die starke Lira verbilligt Importe und verteuert Ausfuhren. So hat sich der Fehlbetrag in der Leistungsbilanz 2010 gegenüber dem Vorjahr von 2,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) auf 5,9 Prozent mehr als verdoppelt. Die Ratingagentur Fitch erwartet für 2011 einen Anstieg auf 6,1 Prozent.

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