Die Türkei kann Deutschland vertrauen

Von Jörg Quoos

Chefredakteur FOCUS

Die Entscheidung eines deutschen Gerichtes empört die Türkei! So wie es derzeit aussieht werden aus Platzgründen keine türkischen Pressevertreter beim Prozess gegen die ausländerfeindlichen Mörder anwesend sein. Die Aufregung ist zum Teil verständlich, denn: Die türkische Öffentlichkeit hat ein unbedingtes Recht darauf zu erfahren, wie der Prozess gegen Beate Zschäpe und ihre Helfer geführt wird.

Dagegen argumentiert das Oberlandgericht München, dass die Presse-Plätze – so wie es gängige Praxis ist – nach Eingang der Anträge zugeteilt wurden. Und die Anträge der türkischen Presse kamen angeblich schlichtweg zu spät.

Ich dagegen sage und habe dies in meinem Magazin „Focus“ auch persönlich geschrieben: Diese Entscheidung des Gerichts ist unsensibel und unglücklich, auch wenn sie nach den Buchstaben des Gesetzes getroffen wurde.

Trotzdem halte ich Schlagzeilen türkischer Zeitungen wie „Türkische Presse nicht erwünscht“ oder “Gericht nimmt schützende Haltung gegenüber Rassisten und rechtsextremen Gruppen“ für überzogen. Sie werden der deutschen Justiz nicht gerecht, die sehr großen Wert auf ihre absolute Unabhängigkeit legt.

Diese Unabhängigkeit vor staatlichem oder fremden Eingriff ist tatsächlich ein hohes und schützenswertes Gut – gerade weil wir Deutschen im dunkelsten Kapitel unserer Geschichte erlebt haben, wie furchtbar es sein kann, wenn die Justiz zum Werkzeug der Staatsmacht wird.

Trotz aller verständlichen Kritik an der unsensiblen Vergabe-Praxis der Journalistenplätze, bin ich doch der festen Überzeugung: Der Prozess wird korrekt verlaufen und von den deutschen Pressevertretern kritisch begleitet. Diese widerwärtige Mordserie muss rechtlich einwandfrei und ohne jegliche Voreingenommenheit aufgeklärt werden. Ich selbst arbeite seit vielen Jahren oft und gerne mit Kollegen türkischer Medien zusammen. Ich bin mir sicher, dass alle im Saal anwesenden deutschen Journalisten ihre Beobachtungen detailliert mit den Berichterstattern aus der Türkei teilen. Das ist jetzt Ehrensache.

Detaillierte Post auf SABAH AVRUPA – Die Türkische Tageszeitung.

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