Die erste Tarifverhandlung in der Eisen- und Stahlindustrie hat stattgefunden

Die erste Tarifverhandlung in der Eisen- und Stahlindustrie hat stattgefunden

In der ersten Verhandlung der Tarifrunde für die 68.000 Beschäftigten der nordwestdeutschen Eisen- und Stahlindustrie hat die IG Metall das Angebot der Arbeitgeber als in Volumen und Struktur unzureichend zurückgewiesen. Zwar sei es erfreulich, so Knut Giesler, Verhandlungsführer und Bezirksleiter der IG Metall in NRW, dass die Arbeitgeber die aktuell gute Situation der Branchen nicht leugnen und dass bereits in der ersten Verhandlung ein Angebot vorgelegt wurde. „Aber 2.100 Euro für 12 Monate sind in Volumen und Struktur im Vergleich zu unserer Forderung von 8,2 Prozent deutlich zu wenig.

Damit begann die Verhandlungstour in der Eisen- und Stahlindustrie ungewöhnlich.

Knut Giesler: „Das zweite Halbjahr 2021 war für viele Stahlunternehmen entgegen aller Erwartungen ein Hervorragendes. Auch in diesem Jahr machen die meisten richtig satte Gewinne, etliche Unternehmen haben gerade erst ihre Prognosen angehoben. Das freut uns, denn die Stahlindustrie war in den letzten Jahren oft ein Sorgenkind. Das ist jetzt anders. Und davon müssen auch die Beschäftigten etwas haben.“ 

Vor diesem Hintergrund adressierte der Verhandlungsführer die Forderung an die Arbeitgeber, in der zweiten Verhandlung ein neues Angebot vorzulegen, das die Erwartung der Beschäftigten nach einer ordentlichen Entgelterhöhung berücksichtigt. 

Ähnlich ist die Situation im Osten

Die Verhandlungen für die Region Ost fanden am Montag, dem 17. Mai statt. Die Arbeitgeber machten hier wie erwartet den gleichen Vorschlag.

„Das ist weder mit der guten Lage der Stahlindustrie noch mit der Stimmung in den Betrieben vereinbar“, stellte Dietze, Leiterin des IG Metall-Bezirks Berlin Brandenburg Sachsen, klar. „Die Kolleginnen und Kollegen fordern nachdrücklich eine tabellenwirksame Erhöhung der Monatsentgelte. Aber nicht nur die Struktur steht im Widerspruch zur aktuellen Situation. Auch das Volumen ist angesichts der außergewöhnlich guten Geschäftslage der Stahlunternehmen zu gering.“

Dietze erinnerte an die beiden „Vernunft-Abschlüsse in der Stahlindustrie“, mit denen die IG Metall auf die instabile wirtschaftliche Lage in der Corona-Pandemie reagiert habe. „Beide Male haben die Beschäftigten in den Stahlbetrieben erlebt, dass die Gewinne anschließend in die Höhe schossen. Ein drittes Mal darf sich dies nicht wiederholen“, so Dietze. „Niemand bestreitet, dass die wirtschaftliche Lage erneut extrem unsicher ist. Aber es kann nicht sein, dass jedes Mal die Beschäftigten die Kosten der Unsicherheit alleine tragen und die Unternehmen noch davon profitieren.“

In der Stahlindustrie ist laut Dietze im Unterschied zu anderen Branchen von Krise nichts zu spüren. „Durch den Krieg entfallen mit Russland und der Ukraine zwei große Produzentenländer auf den Weltmärkten. Die Unternehmen schaffen es kaum noch, die Aufträge abzuarbeiten. Die Kolleginnen und Kollegen in den Stahlwerken fahren Extraschichten und legen sich ins Zeug, damit ihre Betriebe liefern können. 

Hinzu kommt die hohe Inflation, die allen Beschäftigten zu schaffen macht. „Die Stahlkonzerne geben die höheren Kosten für Energie und andere Rohstoffe durch Preisaufschläge an ihre Kunden weiter. Die Stahlarbeiterinnen und –arbeiter können das nicht“, so Dietze. 


Kommentar:

Ayhan Zeytin (Betriebsrat ArcelorMittal Bremen)

Der Vorschlag der Arbeitgeber wurde in verschiedenen Betrieben diskutiert. Wie in jeder Tarifrunde, fand auch in Bremen jetzt nach der ersten Verhandlung am Montag, dem 16. Mai, das Tariffrühstück in der Stahlwerk-Kantine statt. Alle, die hier teilnehmen wollten, konnten teilnehmen.
Am nächsten Tag gab es online eine Mitgliederversammlung der IG Metall und der Vorschlag wurde diskutiert. 99 Prozent der beim Tariffrühstück oder der Mitgliederversammlung Anwesenden betonten, dass die Forderung nach 8,2 Prozent, die sich auf die Lohntabelle widerspiegeln soll, gegen die Einmalzahlung durchgesetzt werden sollte. Den Informationen zufolge gab es in anderen Betrieben Gespräche in die gleiche Richtung. Man kann sagen, dass es nicht anders erwartet wurde.


Hintergrund: Kein neues Angebot in der zweiten Verhandlung

Am Montag, den 23. Mai kamen die Verhandlungsgruppen der IG Metall- und Eisen-Stahl-Chefs zur zweiten Verhandlung zusammen. Die Arbeitgeber bekräftigten, dass sie in der ersten Hälfte dieses Jahres zwar mehr Gewinn machen werden, als im vergangenen Jahr, äußerten sie jedoch auch, angesichts der Tatsache, dass das Gasembargo und wegen Rohstoffengpässe, dass sie nicht wissen, wohin der Kurs gehen werde. Sie erklärten, dass sie kein neues Angebot machen würden.

Die Verhandlungsgruppen verließen den Verhandlungstisch nach zweistündiger Verhandlung ohne neues Angebot. Der alte Vertrag läuft bis zum 31. Mai.

Am 25. Mai wird die Tarifkommission der IG Metall zusammenkommen und voraussichtlich Warnstreiks beschließen. Ab dem 1. Juni werden Warnstreiks in Betrieben durchgeführt. Die dritte Verhandlung findet am 10. Juni statt.

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