Der Student und die Anwesenheitspflicht

Die Anwesenheitspflicht an Unis wurde in einigen Bundesländern, so auch in NRW, abgeschafft. Eindeutig klar ist es jedoch bisher nicht, ob man jetzt abwesend bleiben darf. Die Professoren und Dozenten sind immer noch für eine Anwesenheitspflicht und beharren drauf. Es gibt in Nordrhein-Westfallen einen erbitterten Kampf um die Anwesenheitspflicht an deutschen Hochschulen zwischen den Studierenden und dem Lehrpersonal. Seit der Änderung des Hochschulgesetzes darf ein Dozent eigentlich nur noch bei Exkursionen, Sprachkursen oder praktischen Übungen auf die Anwesenheit der Studierenden bestehen.
Zwischen einem Job, dem Haushalt und so vielen Univeranstaltungen seit Einführung des Bachelor- und Mastersystems erscheinen vielen Studierenden jedoch einige Veranstaltungen wirklich unnötig. Alles ist nur noch auswendig lernen und wiedergeben, kaum wirklich verständlich vermittelte Wissenschaft oder gar Forschung, so wie es sich an einer Universität gehören würde.
Es müsste sich also grundsätzlich etwas am Hochschulsystem bzw. der Hochschulpolitik verändern. Die neu gewonnene Annäherung zur Freiheit der Studierenden ist aber nicht jedem recht. So auch dem Germanistikprofessor an der Ruhr-Uni Bochum, Benedikt Jeßing und seinen Kollegen, welche ihre wissenschaftliche Arbeit sichtlich entwertet sehen. Daher wollen diese an der Anwesenheitspflicht der Studenten weiter festhalten: „Wer zu oft fehlt, bekommt keine Punkte“.
Die Lösung
Es gäbe eine viel einfachere Lösung. Dazu muss man sich die Fakten vor Augen führen: Das Studium ist freiwillig, keiner wird dazu gezwungen. Jedoch sollten die Vorlesungen und Seminare einfach interessanter gestaltet werden, es müsste wirkliches Wissen und Forschen vermittelt werden, statt nur stupides Auswendiglernen. Nicht nur „nachblubbern“ und so eine Prüfung bestehen, danach aber alles wieder vergessen, sondern verstehen und vor allem weiterentwickeln. Studenten sollten mitgestalten und entscheiden können. Durch angebrachte wissenschaftliche, eventuell auch individuelle auf den jeweiligen Studenten zugeschnittene Prüfungsmethoden wäre dann ersichtlich, wie weit ein Student ist. Hierfür brauchen Dozenten natürlich auch mehr Freiheiten und müssten personell entlastet werden. Sinn macht es aber nicht wirklich, dass Dozenten sich einen Kampf mit den Studenten geben. Ihr Adressat sollte woanders sein.
Studenten nicht wehrlos
Der AStA der Uni Münster hat als Reaktion auf die Nichteinhaltung der Gesetzesänderung einiger Profs einen Anwesenheitsmelder entwickelt. Hier können Studenten Hinweise bezüglich Dozenten über ein Onlineformular geben, wenn diese immer noch Überprüfen, welcher Studenten nicht anwesend ist. Innerhalb von drei Wochen wurden schon 270 Hinweise gegen unbeugsame Professoren an der Uni Münster gesammelt. Dieses System soll jetzt auch an der Ruhr-Uni Bochum eingesetzt werden. Hier beklagen sich schon Dozenten über E-Mails, worin ihnen gesetzwidriges Vorgehen angelastet wird. Was eigentlich auch nicht verkehrt ist. Es lohnt sich also über einen Boykott nachzudenken oder jeder Studierende sollte sich zumindest überlegen, ob er sich seine Rechte wieder erkämpfen möchte.

Suphi Sert

Detaillierte Post auf Yeni Hayat – Neues Leben » Deutsch

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