Bundeswehr wirbt in der Bravo

Silan Kücük

 

„Liebst Du das Abenteuer? Suchst Du die Herausforderung? Bist Du top fit?“ Mit diesen Fragen versucht die Bundeswehr die Aufmerksamkeit der jungen Leser der Bravo zu erwecken. Denn es ist eine Werbung für die „Bundeswehr Adventure Camps 2012“. Neben der Zeitschrift Bravo wirbt die Bundeswehr auch auf der auf dem YouTube-Kanal der Bravo. Dort heißt es: »Action, Adrenalin, Abenteuer! Die Herausforderung deines Lebens wartet auf dich«.

Um überhaupt diesem Werbefilm folgen zu können, sollen die Menschen mal die „inoffiziellen“ 53 toten Soldaten vergessen, die seit Beginn des deutschen Kriegseinsatzes in Afghanistan vor zehn Jahren gefallen sind. Durch diese Angabe will man sich die Laune doch nicht verderben lassen. Vor allem nicht im Abenteuer-Lager der Bundeswehr, für das die Kinder- und Jugendzeitschrift Bravo aus dem Heinrich-Bauer-Konzern dieses Jahr schon zum wiederholten Male geworben hat.

Schließlich verspricht die Armee  bei den zwei Camps bei der Luftwaffe auf Sardinien und den Gebirgsjägern in den Berchtesgadener Alpen „krasse Wasserwettkämpfe“, „crazy Strandspiele“ „coole Beachpartys“ und „Lagerfeuer-Partys“ an einer „coolen Bundeswehrhütte“ – für 60 Teilnehmer komplett gratis.

Um neue Soldatinnen und Soldaten anwerben zu können, setzt die Bundeswehr neue Strategien ein und so sind die „Adventure Camps“ ein Teil dieser. Nachdem die Wehrpflicht Mitte vorherigen Jahres abgeschafft wurde, wurde die Bundeswehr äußerst kreativ in der Nachwuchswerbung. Soldaten und Offiziere fahren durch die gesamte Republik, gehen in Schulklassen und leiten Workshops. Auf der anderen Seite dürfen komplette Schulklassen Kasernen besuchen. Sogar Grundschüler sind von der  Reklameoffensive der deutschen Armee nicht ausgenommen. Sie dürfen „Friedensengel“ basteln und diese den Soldaten an die Front schicken. Laut Angaben sind inzwischen an der Nachwuchsarbeit rund 500 Frauen und Männer vom militärischen und zivilen Personal der Bundeswehr tätig.

Doch von der harten Einsatzrealität ist bei der Werbung für die im Oktober stattfindenden Ferienlager keine Spur. Deshalb organisiert sich zunehmend Widerstand gegen die Kooperation von Bundeswehr und Bravo.

Die „irreführende“ Werbung verstößt, laut dem Kinderhilfswerk, gegen die UN-Kinderrechtskonvention. Die UN-Kinderrechtskonvention setzt wohl den Schutz von Kindern an „oberster Stelle“.

Mittlerweile haben mehrere tausend Menschen die Online-Petition des Kinderhilfswerks „terre des hommes“ unterzeichnet. In der Petition hat man den Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) und Alexander Gernandt von der »Bauer Media Group«, bei der die Bravo erscheint, aufgefordert, die Werbung zu unterlassen.  Mehr als tausende Leute unterstützen eine Protest-Gruppe im sozialen Netzwerk Facebook gegen die Bundeswehr-Bravo-Kooperation.

Auch Parteien, so die LINKE, sind auf dieses Thema aufmerksam geworden und fordern „ein Ende aller Werbemaßnahmen der Bundeswehr, die auf Minderjährige gerichtet sind“. Die Grünen halten die Art der Werbung für „nicht akzeptabel“ und die SPD spricht von „falschen Auswüchsen“ in der Bundeswehr-Nachwuchsgewinnung.

Den Vorwurf eines Verstoßes gegen die UN-Kinderrechtskonvention weist das  Verteidigungsministerium zurück und beharrt dennoch an der Bundeswehr-Kooperation mit der Bravo. Doch die „Bauer Media Group“ hat mittlerweile auf die Proteste reagiert. Die  Kommentare mit ablehnenden Äußerungen unter den Bundeswehr-Werbefilmen wurden gelöscht und es wurden sogar einige Filme aus dem Netz genommen. Der Verlag sieht, trotz seines Verhaltens, angeblich kein grundsätzliches Problem in der Werbung. „Die Bundeswehr ist Teil der Zivilgesellschaft, zudem bietet sie ein breites Angebot an Ausbildungsberufen an“, heißt es in einer Stellungnahme. Dann stellt sich die Frage, warum macht ihr dann so ein Aufwand und löscht Kommentare und nehmt die Werbefilme aus dem Netz? – Natürlich geht es dem Verlag um viel Geld.

Während die Bundeswehr für die Camps 40 000 Euro ausgibt, soll der Verlag für die Kooperation mit der Bundeswehr dieses Jahr 200000 Euro erhalten. Dazu will sich der „Bauer Media Group“  mit „terre des hommes“ an den Tisch setzen und den Kinderhilfswerk bitten die Proteste für die kommenden Verhandlungen mit der Bundeswehr über die „Adventure Camps 2013“ zu beenden.

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