8. Mai – Tag der Befreiung – Der Kampf ist noch nicht vorbei

Sinan Cokdegerli
Mit dem Gedenken an über 60 Millionen Opfern ist der 8. Mai ein Symbol für den antifaschistischen Kampf der Völker und der Befreiung Europas von der faschistischen Hitler-Diktatur. In Deutschland wird seit 1985 die Bezeichnung „Tag der Befreiung“ verwendet. Damit soll vor allem auch an die Widerstandskämpfer und die Millionen Häftlinge der Zuchthäuser, sowie Konzentrations- und Vernichtungslager erinnert werden, die von den Alliierten befreit wurden. Von offizieller Seite werden hier die westlichen Befreier gelobt und erwähnt. Die wahren Sieger der Bestie Hitlerdeutschland, diejenigen, die die Hauptlast trugen, die Rote Armee mit ihren 13 Millionen gefallenen Soldaten und die Sowjetunion mit von den Nazis bestialisch ermordeten 14 Millionen Zivilisten, finden kaum Erwähnung. Zumindest weigert sich Frau Merkel, an der offiziellen Gedenkfeier zum 70. Jahrestag der Befreiung in Moskau teilzunehmen. Ein Schlag ins Gesicht eines jeden ehrenvollen Sowjetbürgers und Rotarmisten, der für die Befreiung der Menschheit sein Leben ließ.
Zu den geschichtlichen Hintergründen
Nachdem Hitler am 30. April Selbstmord beging, wendete sich sein Nachfolger Karl Dönitz für eine „bedingungslose Kapitulation“ erst an die Westalliierten. Später wurden auch Vertreter der Sowjetunion (UdSSR) hinzugezogen. Bis zu seinem Ende hatte der Zweite Weltkrieg 60 Millionen Menschen das Leben gekostet, von denen die meisten Verluste, mit 27 Millionen, die Sowjetunion erlitten hatte. Nach dem Ende des Krieges blieb ein Europa der Scherben übrig, wovon auch Deutschland nicht auszuschließen ist. Neben der Zerstörung durch Bombardements und Panzerangriffe der Sowjets und Alliierten, hatten auch deutsche Truppen in Folge des Nero-Befehls, eines der letzten Befehle Hitlers, veranlasst, ab März 1945 Teile der Industrie inner- und außerhalb Deutschlands vor allem im Osten des Landes, zum Teil aber auch ganze Städte, zu zerstören, um sie nicht dem Feind nicht zu überlassen.
Verfehlte Aufarbeitung der Naziherrschaft
Als Entnazifizierung bezeichnet man die Politik zur Befreiung der Kultur, der Justiz, der Politik, der Ökonomie und andere gesellschaftliche Bereiche vom Einfluss der nationalsozialistischen Ideologie. Wenn man jedoch diese Politik und ihre Durchführung betrachten will, muss man sich im Klaren sein, welche Ziele die einzelnen Siegermächte hatten. Die UdSSR, welche die höchsten Opferzahlen erlitten hatte, musste schnellstmöglich wieder zu einer bestimmten Minimalstärke an militärischer und wirtschaftlicher Kraft gelangen, wenn sie sich vor den ihr noch weiterhin feindlich gesinnten kapitalistischen Staaten schützen wollte. Sie war interessiert an einem Gesamtdeutschland, welches, wenn nicht sozialistisch, dann zumindest neutral sein sollte. Die Westalliierten, welche mit etwas mehr als einer Million Toten wesentlich weniger Einwohner und Soldaten verloren hatten, mussten einen weiteren Einflussgewinn des sozialistischen Staates verhindern und Westdeutschland schnellstmöglich zu seiner ehemaligen Stärke bringen, ohne es außer Kontrolle geraten zu lassen, um eine Macht in Europa gegen die Sowjets zu haben. Demnach erklärt sich auch, in welchem Maße entnazifiziert wurde.
Während in den drei westlichen Besatzungszonen durchschnittlich etwa 50% der Inhaftierten bis 1947 wieder freigelassen wurden, waren es in der sowjetischen Besatzungszone (SBZ) etwa 10%. Während Industrielle wie Quandt, der Häftlinge für sich Zwangsarbeit leisten lassen hatte, in der westlichen Besatzungszone zum Teil sogar ohne jegliche Anklage davonkamen, wurden in der SBZ Funktionäre von Hitlers Regierungspartei NSDAP, verurteilt. Ein ähnliches Bild der kapitalistischen Gnade gegenüber dem Faschismus zeigte sich auch darin, wer über Angeklagte in den westlichen Zonen urteilte. Größtenteils waren es Richter und Beamte in Justiz, Militär und Polizei, welche selber eine Vergangenheit in Gremien des „3. Deutschen Reiches“ gehabt hatten.
Betrachtet man die politische Lage der Nachkriegszeit genauer, wird dabei vor allem die überaus hohe Anzahl an FDP und CDU/CSU-Politikern mit einer Vergangenheit in der NSDAP deutlich. Dazu zählen zum Beispiel Politiker wie Walter Baltram, der von 1937-45 Mitglied der NSDAP war und später als Ministerpräsident der CDU Schleswig-Holstein regierte, oder Ewald Bucher, Träger des goldenen Abzeichens der Hitlerjugend, Mitglied der Schutzarmee und späterer Bundesminister der Justiz unter Konrad Adenauer (CDU). Eines der berühmtesten dieser Namen ist aber wahrscheinlich Hans J. M. Globke, Mitverfasser der Nürnberger Rassengesetze und in der Nachkriegszeit Chef des Bundeskanzleramts, ebenfalls unter Adenauer. Es ist natürlich davon auszugehen, dass diese Personen und viele mehr ihr nazistisches Gedankengut in ihre neuen Parteien übertrugen.
Was bedeutet das für uns?
Eine wirkliche Entnazifizierung fand im Westen also nicht statt. Die Industrie, welche durch massenhafte Spenden Hitler und seine Anhänger an die Macht gebracht hatte, setzte nun eine demokratische Maske auf. Milliarden von Mark, die die industrielle Vernichtung der Juden und der Menschheit den deutschen Rüstungs-, Automobil-, Chemie-, Energie und Transportkonzernen eingebracht hatten, blieben unberührt. Durch die Verschonung der faschistischen Hitleranhänger konnte man die Wut und Enttäuschung der Bevölkerung weiterhin in einer Richtung kanalisieren, welche für das eigene System keine Gefahr darstellte. Faschismus bedeutet die  „Macht des Finanzkapitals selbst“, insbesondere der  „reaktionärsten, aggressivsten und chauvinistischsten Elemente“ und bei Bedarf kann der Kapitalismus darauf zurückgreifen.
Dadurch ist es dem System möglich, systemgefährdende Meinungen zu bekämpfen oder Probleme in eine das System nicht berührende Richtung zu lenken. Bundeswehr, Polizei und Verfassungsschutz wurden genau mit diesen faschistischen Überbleibseln des schwarzen Kapitels der Menschheit wieder aufgebaut, AfD, Pegida, NPD usw. nehmen ihre Nahrung nur auf dieser Grundlage aus dem System heraus. Die tiefe Verquickung des Staates mit den Faschisten ist spätestens seit den gescheiterten Versuchen des NPD-Verbots und der NSU-„Pannen“ ersichtlich. NPD und andere faschistisch-rassistische Kräfte werden als Teil des demokratischen Spektrums dargestellt, als „Meinung“ im Rahmen der demokratischen Möglichkeiten erhalten sie Millionen aus Steuergeldern und Nazis ziehen mit Polizeischutz durch deutsche Straßen und ihre Gegner werden vor Gericht gezerrt.
Umso wichtiger ist es sowohl die Faschisten, aber auch deren Nährboden, das herrschende kapitalistische System, ideologisch und auf der Straße, in der Schule, der Uni und im Betrieb zu bekämpfen.

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