„So wollen wir leben“ DIDF Jugendcamp 2012

 

Das DIDF Jugend Sommercamp 2012 vom 27. Juli bis zum 5. August fand zum ersten Mal außerhalb des Festlandes statt. Die Insel Föhr diente den Jugendlichen als Ort ihrer Kreativität und politischen Entfaltung. Jedes Jahr erfolgt das Sommercamp mit Teilnehmern zwischen 15 und 27 Jahren an unterschiedlichen Orten und gilt als der Höhepunkt der verbandlichen Arbeit, die die Jugendlichen über ein Jahr lang hinweg leisten. Dieses Jahr war das Motto „So wollen wir leben“, nach der Kampagne benannt, die in den letzten Monaten initiiert worden ist. Das Camp ist ein Modell dafür, wie die Jugendlichen auch außerhalb des Camps leben wollen, das heißt, dass der Alltag gemeinsam gestaltet und auch gelebt wurde. Den Schwerpunkt bildeten die vier Säulen der Kampagne, also Rassismus, Leiharbeit, Bildung und Krieg/Frieden. Die Themen Rassismus und Krieg/Frieden wurden in Seminaren eindringlich behandelt und diskutiert. Andere Seminare und Diskussionsrunden waren die „griechische Mythologie“ von Schriftsteller Yasar Atan, ein Workshop der DGB Jugend zu „prekärer Beschäftigung“, „Gesundheit als Ware“, ein Frauenseminar, „Social Networks“, „die Kurdenfrage“, „Jugendbewegungen in Europa“, „Freizeit“, ein Workshop zu „Stadtteilarbeit“, „Fast Food“, ein „Demoworkshop“, „Situation in Europa“ vom ehemaligen KPD-Vorsitzenden Diethard Möller, „DIDF Jugend“ und ein Workshop von Neues Leben-Chefredakteur Serdar Derventli zu journalistischer Arbeit. Die Seminare waren wichtige Faktoren im Ablauf des Campalltags, denn gleichzeitig sollten sie informieren und den Leuten neue Inhalte beibringen, aber auch Themen, die den Teilnehmern bereits bekannt waren, vertiefen. Mindestens genauso wichtig waren die AG’s: Die Theater AG, Musik AG, Camp TV, Jazzumba, eine Verbindung von Jazztanz und Zumba, Hip Hop Tanz, Kunst AG, Camp Radio und die Zeitung. Die AG’s dienen dazu, dass die Jugendlichen möglicherweise ungeahnte Fähigkeiten entdecken oder altbekannte ausbauen. Vor allem  soll hier aber zusammen etwas geschaffen werden, sei es ein Tanz, ein Theaterstück oder eine Zeitung. Auch in der Freizeit gab es neben dem Ausruhen auf dem Campgelände, das unmittelbar ans Meer grenzt, auch alternative Angebote. So ist seit Jahren das „Kaynasma“ eine feste Tradition. Hier lernen sich die Teilnehmer aus verschiedenen Orten kennen und essen als krönenden Abschluss eine Wassermelone. Das Fußballturnier bat den Sportbegeisterten Teilnehmern ebenfalls reichlich Unterhaltung. Außerdem gab es die Möglichkeit in die kleine Stadt Niblum zu gehen, um dort ein Eis zu essen oder am See zu sitzen. Bei Ebbe war es auch möglich eine Wattwanderung ins Meer hinein zu machen. Außerdem sorgte die Band Bandista am ersten Abend für gute Stimmung. Um die Organisation und den Ablauf des Camps kümmerte sich das 13-köpfige Campkomitee, das am ersten Abend von den knapp 250 Teilnehmern gewählt worden ist.

Insgesamt wurde klar, dass die Jugendlichen dieses Jahr politische Diskussionen nicht scheuten, sie, im Gegenteil, sogar suchten. In den 10 Tagen wurde viel gelernt, gesungen, getanzt und geredet. Die Trauer war zum Schluss groß und das Versprechen, nächstes Jahr wieder dabei zu sein, wurde abgegeben. Denn die Teilnehmer merkten bald, dass sie genau so leben wollen.

 

Zehn Tage Freundschaft

Gemeinsam lernen, gemeinsam Spaß haben und auch  gemeinsam schaffen das hat das diesjährige Jugendcamp auf Föhr ausgezeichnet.

Zurückbleiben sollten nicht nur schöne Erinnerungen, sondern auch, dass man organisiert und im Kollektiv eine bessere Welt schaffen kann.

Eine junge Abiturientin, die zum erstenmal an einem Jugendcamp teilnahm, hat das Gefühl vieler Jugendlicher auf den Punkt gebracht als sie bei der Campauswertung am letzten Abend aufstand und sagte: „Als ich gekommen bin, dachte ich erstmal was ist das hier? Das Wetter ist sch…, Das Essen ist sch… und es ist dreckig im Zelt zu schlafen, doch nach ein paar Tagen hat mich nichts mehr von alledem mehr gestört. Ich habe hier tolle Freundschaften geknüpft, habe viel gelernt. Ich werde das Camp und euch alle voll vermissen. Wenn ich zurück bin in meiner Stadt möchte ich mehr in der DIDF Jugend einbringen und meine Ortsgruppe aufbauen.“

Eigentlich soll Föhr eine der schönsten Inseln Deutschlands sein. Als die deutsche Karibik mit viel Sonne und wenig Regen wird die Insel im Nordfriesischen Wattenmeer beworben. Doch leider entsprach das Wetter nicht dem einer Karibikinsel. Es war so als ob Petrus auf Kriegsfuß mit dem Camp stand. Doch den über 200 Jugendlichen aus ganz Deutschland und auch einige Gäste aus dem Ausland schien das egal zu sein. Je mehr es regnete, umso mehr trotzte man dem Regen. Man tanzte sogar im Regen mit den Freunden. Ein volles und tolles Programm mit Seminaren, Workshops und AG`s wurde 10 Tage lang mit viel Enthusiasmus angenommen. Dabei diskutieren viele TeilnehmerInnen lebhaft bei den Seminaren und Workshops mit, stellten Fragen und äußerten ihre Sicht der Dinge.

Das faszinierendste an dem Camp war welche Talente in all diesen Jugendlichen schlummern. Viele haben auf dem Camp zum ersten Mal entdeckt was wirklich in ihnen steckt. Sie haben zum ersten Mal auf der Bühne gestanden, ein Video geschnitten oder an einem Mikro ihre Meinung vor so vielen Leuten kundgetan.

Anders als allen täglich eingetrichtert wird, war es auf dem Camp trotz unterschiedlicher Lebenslagen kein Problem friedlich und solidarisch miteinander zu leben. Jeder hat in der Küche, beim Putzen oder tragen mit angepackt. Als die Busse auf dem Campgelände eingetroffen sind, da standen noch nicht mal alle Zelte bereit. Alle haben gemeinsam angepackt und binnen weniger Stunden das Campgelände zu einem schöneren Ort gestaltet. Das Jugendcamp war nicht ein Urlaub wie jeder andere bei dem nur konsumiert wird, sondern vielmehr ein Ort der schöner wurde, je mehr man sich eingebracht, im Kollektiv gearbeitet und entschieden hat. Man hat ohne Hintergedanken und Eigennutz miteinander gelebt und gesehen, dass jeder etwas ganz besonderes kann. Viele Jugendliche wollten diese Eindrücke mitnehmen und verdeutlichen, dass es eigentlich auch in der „normalen“ Welt möglich sein sollte so miteinander zu leben. Deshalb haben viele, wie die junge Abiturientin gesagt, dass sie nun Ortsgruppen der DIDF-Jugend aufbauen oder sich verstärkt engagieren wollen. Egal wie sehr man auch das Gegenteil behauptet, eine Welt in der jeder und jede nach den eigenen Fähigkeiten und Bedürfnissen Leben kann ist möglich. Das Camp hat gezeigt wie stark man ist, wenn man in der Gruppe arbeitet. Dieses Bewußtsein und das auf dem Camp erlernte mit in die Orte mitzunehmen und in die Arbeit vor Ort einfliessen zu lassen, das ist jetzt die neue Aufgabe für die über 200 CamperInnen und unserer ganzen Organisation. Viele meinten beim Abschied eigentlich hätte ich meine Freunde mitnehmen können. Dies sollte nun auch beim nächsten Camp geschehen. Dann soll die DIDF-Jugend noch stärker in den Städten verankert sein und ein noch stärkeres und bunteres Jugendcamp aufbauen. Doch bis dahin gibt es noch viele weitere Aktionen auf denen man sich wiedersehen sollte. So am 29.September auf den „Umfairteilen“-Demonstrationen in Hamburg, Köln, Berlin und Frankfurt.

 

 

Interview Campianer

Destina Ünsalan, 16 Jahre aus Siegen

Ich fand das Camp sehr gut, weil mir das Programm sehr gut gefallen hat, es tolle AGs gab und nette Leute. Ich habe an der Kunst AG teilgenommen, die mir sehr gut gefallen hat, da ich meine künstlerische Seite entfalten konnte. Am meisten haben mir jedoch die Gemeinschaft, die gute Stimmung und die unterhaltsamen Abende gefallen. Vom Camp nehme ich politische Erfahrungen, Zusammenhalt und neue Bekanntschaften mit.

 

 

Yaren Von Ostrowski, 15 Jahre aus Mannheim

Auf dem Camp hat mir die Atmosphäre sehr gut gefallen. Die Bekanntschaften, die ich auf dem Camp gemacht habe, sind für mich eine Bereicherung. Ich habe an der Zeitungs-AG teilgenommen und habe diese sehr interessant empfunden. In diesem Seminar habe ich einen Einblick in die Arbeit eines Journalisten bekommen und habe gelernt wie man einen Artikel am besten schreiben kann. Am besten fand ich das Beisammensein am Strand, wo wir sehr viel Spaß hatten. Durch die Teilnahme an den Seminaren habe ich sehr viele Informationen bekommen und mir mehr Wissen angeeignet.

 

 

Özge Toren, 15 Jahre aus Karlsruhe

Meiner Meinung nach war das Camp sehr interessant, aufregend und es hat sehr viel Spaß gemacht. Ich habe sehr viele neue Leute kennengelernt mit denen ich in Zukunft auch noch meinen Kontakt beibehalten möchte. Ich war Mitglied in der AG Camp-TV, das ich sehr gut fand, da wir Sketche gedreht haben. Großartig am Campleben fand ich den Zusammenhalt und das Singen am Lagerfeuer. Worauf ich achten werde ist, dass ich meinen anderen Freunde, die nicht dabei waren, von den Seminaren erzählen werde.

 

 

Caner Dökmez, 24 Jahre aus Österreich

Das Camp war fantastisch. Das wusste ich schon vorher, da es nicht mein erstes Camp war und ich werde weiterhin noch kommen. Ich war in der Theater-AG. Für mich hatte diese AG eine besondere Bedeutung, da wir in Österreich bisher nicht die Gelegenheit hatten eine Theatergruppe auf die Beine zu bringen. Am besten fand ich den Zusammenhalt und die Nächte, an denen ich die Nachtwache halten musste. Mitnehmen werde ich ein sehr gutes Theaterstück, das wir als Theater-AG selbst entworfen haben.

 

 

Can Akdemir, 18 Jahre aus Österreich

Das Campleben war ganz gut, weil wir wie die Schlümpfe gelebt haben. Uns war die Hautfarbe, die Muttersprache oder auch die Herkunft egal. So würde ich gerne leben. Doch das Wetter war sehr schlecht. Ich war Mitglied in der AG Camp-TV, die ich sehr gut fand. In Österreich will ich bei Hayat TV mitmachen, weil ich selbst in einer TV-Gruppe arbeite und das Schneiden und Filmen mir sehr großen Spaß bereitet. Am besten fand ich das Campleben allgemein und den Zusammenhalt. Einfach alles. Mitnehmen werde ich die ganzen Infos von den Seminaren und neue Freunde.

 

Gewerkschaften

Auf den Sommercamps der DIDF- Jugend gibt es immer verschiedene Gäste, die zu speziellen Themen referieren. Dieses Jahr waren unter Anderem zwei Vertreter der Gewerkschaftsjugend von der DGB und Verdi dabei. Auf dem Camp haben sie zwei Diskussionsrunden angeboten, die vor allem von jungen ArbeiterInnen besucht wurden. Es wurde über die Aufgaben der Gewerkschaften und ihrer Bedeutung für die Arbeiterbewegung diskutiert. Vielen wurde nach der Diskussion bewusst, dass eine Mitgliedschaft bei der Gewerkschaft sehr wichtig ist, um in den Betrieben etwas ändern zu können. Die Referenten klärten einzelne Fragen über Rechte der Arbeiter. Die Teilnehmer berichteten über eigene Erfahrungen und Probleme. Weitere Themen waren die prekäre Beschäftigung und Leiharbeit. Da besonders Jugendliche mit Migrationshintergrund von diesen Situationen betroffen sind, war dies ein Thema, welches bei den Jugendlichen großes Interesse weckte.

Thälmann

Auch Vera Dehle-Thälmann ihr Mann Wolfgang Dehle und Uwe Scheer besuchten die DIDF Jugend auf ihrem Sommercamp auf der Nordseeinsel Föhr. Vera Dehle-Thälmann ist die Enkelin des ehemaligen KPD-Vorsitzenden und Präsidentschaftskandidaten Ernst Thälmann, welcher auf direkten Befehl Hitlers im Konzentrationslager Buchenwald ermordet wurde. Uwe Scheer ist Mitarbeiter der Gedenkstätte Ernst Thälmann. Gemeinsam hielten sie vor ca.100 Jugendlichen einen Vortrag über Thälmann. Dabei gab Vera Dehle-Thälmann sehr persönliche Einblicke in das Leben ihres Großvaters. Erzählte vom Familienmenschen Thälmann und zu der Verbindung zwischen ihrer Mutter und ihrem Großvater und las aus dem Tagebuch ihrer Mutter und sorgte so für sehr emotionale Momente bei den Jugendlichen.

Uwe Scheer präsentierte Thälmann als Politiker und Kommunisten. Scheer berichtete von Thälmanns politischen Anfängen in Hamburg bis hin zu seiner nur knapp gescheiterten Präsidentschaftskandidatur und seinem Kampf gegen den Faschismus. Aber auch die letzten Jahre Thälmanns im Konzentrationslager und seine Bedeutung für die Arbeiterbewegung waren Thema. Weiterhin erzählte Scheer von den Herausforderungen, die die Gedenkstätte seit ihrer Gründung begleiten. Zum Schluss wurde betont, dass Jugendliche noch heute besonders von Thälmanns Standhaftigkeit und unerschütterliche Überzeugung, welche er bis zu seiner Ermordung nicht verlor, lernen können.

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